{"id":30348,"date":"2020-05-05T08:26:39","date_gmt":"2020-05-05T08:26:39","guid":{"rendered":"https:\/\/tobegen.de\/?page_id=30348"},"modified":"2020-10-23T08:57:10","modified_gmt":"2020-10-23T08:57:10","slug":"eigene-texte-entstehungsform","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/tobegen.de\/?page_id=30348","title":{"rendered":"&#8222;FIGURA ORIGINIS&#8220; (Entstehungsform)"},"content":{"rendered":"<h6 style=\"text-align: center;\">&#8222;Was stellen Sie so her? Ich stelle Unverst\u00e4ndnis her&#8220; (Monika Rinck)<\/h6>\n<p>Der Mensch orientiert sich an Zeichen, die er selbst nicht setzen kann, und an Zeichen, die er selbst gesetzt hat. Im Malprozess geschehen sie als sch\u00f6pferische Kraft durch ihn hindurch, \u00fcbertreffen als &#8222;fremde Zeichen&#8220; den Sch\u00f6pfer. \u201eFremde Zeichen\u201c sind magisch, weil sie wahr in sich und f\u00fcr sich sind. Von diesem \u201eNichts\u201c soll hier die Rede sein und nicht von der &#8222;zeitgen\u00f6ssischen Kunst&#8220; und ihrem \u201eMit allen Mitteln der Kunst nichts Schildern\u201c. Das coole Nichts, das nicht erz\u00e4hlt, begann mit der &#8222;zuf\u00e4lligen Begegnung von N\u00e4hmaschine und Regenschirm auf einem Seziertisch&#8220; (Lautr\u00e9amont). Die poetische Z\u00fcndung f\u00fchrte zur abstrakten \u201eGeste an sich\u201c (1), zum \u201eBildgegenstand ohne Erz\u00e4hlung\u201c, mit dem die Surrealisten den \u201eAutomatismus\u201c (2) und \u201ekontrollierten Zufall\u201c (3) zur &#8222;poetischen Objektivit\u00e4t&#8220; erhoben. Das \u201eabsichtslose Tun\u201c (4) in der fern\u00f6stlichen Kalligrafie macht es anders. Es hat auch ein \u201eNichts\u201c, doch hier behauptet nicht der Verstand das &#8222;Nihil&#8220;, hier ist das Nichts &#8222;absolut&#8220;: Der Urgrund auf den existentiell das Leben durch den Tod gestellt ist. Betrachten wir vom Nichts aus das Leben, so wird die Geste von einem \u201eRhythmus der Freude&#8220; (5) bestimmt, ist sie das &#8222;grundlose Gl\u00fcck&#8220;, die \u201eErz\u00e4hlung ohne Bildgegenstand\u201c. Das \u201eZeitgen\u00f6ssische\u201c in der Kunst ist nun zeitlos, zeigt in der Gegenwart die Ewigkeit, die Zeichensetzung \u00fcbertrifft das Zeichen, das Thesenhafte die Nachahmung, und Wahrheit und Sch\u00f6nheit kommen in einer \u201egeistgeborenen Wirklichkeit\u201c (6) zusammen. Kunst geschieht im &#8222;Feld der Leere&#8220; als \u201eNicht-Ich-Nicht-Geist\u201c (7) durch den K\u00fcnstler hindurch, bezieht die Betrachter mit ein, verlangt \u201eErkenne (dich) selbst\u201c. (8)<\/p>\n<p>Im &#8222;Feld der Leere&#8220; ist jeder Mensch ein K\u00fcnstler. Die Achtsamkeit im Auge des Betrachters gelangt von der sinnlichen Erfahrung der Bildoberfl\u00e4che zur freien Assoziation der Einbildungskraft, indem das Bild wie Schrift gelesen wird. Doch im Gegensatz zur Schrift, deren Zeichen zur kollektiven Verst\u00e4ndigung einer festgelegten Semiotik folgen, zeigt das &#8222;offene Bild&#8220; in &#8222;Kalligrafie&#8220; und &#8222;Informel&#8220; eine wilde, spontane, unmittelbar direkte Semiotik und ist dabei keineswegs Zufall. Die wilde Semiotik stellt die durch festgelegte Zeichen ferngehaltene Pr\u00e4senz des Lebens, das &#8222;Lebenleben&#8220; (9), eine durch freie Assoziationen weltweit verstandene, kollektive Kommunikation, wieder her. &#8222;Die V\u00f6gel fliegen still durch uns hindurch: Weltinnenraum&#8220; (10), dichtet Rilke. Zwei vom Alltagsbewusstsein getrennte Welten, das Innen und das Au\u00dfen werden in einem Satz, im &#8222;Kalligrafischen Informel&#8220;, in einem Bild angesprochen. Das rei\u00dft die Wahrnehmung aus der Routine, es entsteht ein Spalt, ein Dazwischen. Den nutzt das Gewahrsein zum Etagensprung und schaut nun nicht mehr objektiv auf Farbe, Form und Rhythmus, nimmt sich die Freiheit, aus Farbe, Form und Rhythmus, mit den Augen der &#8222;geistigen Natur&#8220; (11), radikal subjektiv eine &#8222;Entstehungsform&#8220; (12) zu erkennen: &#8222;Ich seh hinaus und in mir w\u00e4chst der Baum&#8220; (Rilke).<\/p>\n<p>Diesen Blick von innen, aus dem &#8222;Maschinenraum&#8220; der geistigen Natur haben noch heute Menschen mit monolithischen und pantheistischen Weltanschauungen. Sie kennen keine Unterscheidung zwischen Geist und Natur, leben proflexiv (erahnend) in einer &#8222;beseelten Natur&#8220;: &#8222;Pachamama&#8220; (13) oder eingeboren in eine &#8222;Kosmologie&#8220;: &#8222;Ying und Yang&#8220; (14) und &#8222;Nirvana&#8220; (15). Anders das abendl\u00e4ndische Denken. Es vollzog in der r\u00f6mischen Antike mit der Formel &#8222;Teile und herrsche&#8220; (16) die Trennung zwischen Geist und Natur (17) und wurde dadurch ein dualistischer Geist, der das reflektierte &#8222;Ding&#8220; \u00fcber die Natur stellt. Das zuvor Eine, das durch die vertikale und horizontale Spannung von Geist und Natur &#8222;Von-unten-aufgerichtet-Sein&#8220; der &#8222;Mutter Erde&#8220;, das ohne Ziel Weg ist, bekam mit dem &#8222;Ding&#8220;, dem &#8222;Vater Himmel&#8220;, ein &#8222;Von-oben-angesprochen-Sein&#8220;, eine von der Horizontalspannung abgenabelte Vertikalspannung, mit der der Weg nur noch Mittel zum Zweck ist (18). Aus der &#8222;religare&#8220;, der R\u00fcckbindung des Geistes, die die viertausend Jahre alte indische Rigveda beschreibt: &#8222;Wer hat, woher die Sch\u00f6pfung stammt, vernommen? Die G\u00f6tter sind diesseits von ihr entsprungen! Wer sagt es also, (&#8230;) oder wei\u00df auch er es nicht?&#8220;, war bereits im Judentum ein &#8222;Ding&#8220; &#8211; der &#8222;Sch\u00f6pfergott&#8220;, als &#8222;brennender Dornenbusch&#8220; noch ein internalisiertes &#8222;Etwas&#8220; geworden, das als r\u00f6mische Staatsreligion mit dem Christentum externalisiert, im &#8222;Off&#8220; der &#8222;Allwissende&#8220; ist. Das Weltinnen-Wissen wird nun Kirchengut, der Gl\u00e4ubige darf sich als &#8222;Ebenbild Gottes&#8220; f\u00fchlen und predigen: &#8222;Ich aber sage euch&#8220; (19) und der Atheist ist der &#8222;In-die-Welt-Geworfene&#8220; (20), der &#8222;S\u00fcndenfall&#8220;, die traumatisierte &#8222;Psyche&#8220;, die nur noch das gezeitigte Leben hat.<\/p>\n<p>Der dabei in die geistige Natur Eingeborene pr\u00e4gt bereits pr\u00e4natal seine &#8222;Indigenialit\u00e4t&#8220; (21), im Weltinnen eine Ahnung vom Weltau\u00dfen, die &#8222;Zwei-Einheit&#8220; (22) heraus. In dieser Beziehung hat sich nichts ge\u00e4ndert. Wir sind alle Wilde geblieben, als Eingeborene auf die Welt gekommen und haben als abgenabeltes Baby auf dem Bauch der Mutter liegend instinktiv von selbst die Brust gefunden, obwohl wir das Weltau\u00dfen noch nicht kannten, wir hatten uns von innen eine Ahnung gebildet und konnten so blind, tastend sehen&#8230; Krass unterschiedlich ist hingegen der Blick der Kulturen auf die Geburt. Im monolithischen Weltbild verliert sie ihren Vor-Anfang nicht, verwandelt dieser sich im Leben in das Nach-Ende, w\u00e4hrend in der dualistischen Weltanschauung das Pr\u00e4natale und Postmortale aus dem Diesseits verschwinden. Religi\u00f6s sind sie das ewige Leben in Gott, aus dem wir kommen, in das wir wollen, in dem der Gl\u00e4ubige ewig bleibt. F\u00fcr den Atheisten ist das anders. Er kennt kein Eingebunden-Sein in ein Jenseits, er hat nur das Diesseits, die s\u00e4kularisierte Welt. So st\u00f6rt und verwirrt ihn das Jenseits, sieht er in ihm eine durch die Moderne l\u00e4ngst \u00fcberwundene Vergangenheit. Die vierte m\u00f6gliche Sicht transzendiert das symbolische und dingliche Denken, sieht einen anfanglosen Anfang und ein endloses Ende, eine Unendlichkeit, in der sich Vergangenheit und Zukunft als Gegenwart begegnen. Das Lebenleben erwacht hier aus einer in sich ruhenden Bewegung und will in sie zur\u00fcck&#8230;<\/p>\n<p>Das Weltinnen-Wissen ist existenziell ein Nichtwissen, keine Dummheit: Ahnung, der ber\u00fchmte Satz des Sokrates: &#8222;Ich wei\u00df, dass ich nicht wei\u00df.&#8220; (23) Dieses Wissen ist dunkel, passiv, still, proflexiv, irrational, nichtlogisch, intersubjektiv &#8211; &#8222;Ich bin, weil du bist&#8220; (24), das pr\u00e4natal gesetzte &#8222;a priori&#8220;, der &#8222;Logos&#8220;, der instinktiv, intuitiv, imagin\u00e4r die &#8222;Weisheit des wilden Denkens&#8220; ist. Von dieser &#8222;geistigen Natur&#8220; nabelt sich die &#8222;kolonialisierte Natur&#8220; mit dem Weltau\u00dfen-Wissen ab, indem sie dessen Genialit\u00e4t &#8211; die helle, technische, transparente, reflexive, beweisbare, intellektuelle, differenzierte, isolierte, rationalisierte, expansive Seite des Geistes, die &#8222;Logik&#8220; zur Welt erkl\u00e4rt. Damit f\u00fchrt sie das vom Subjekt abgenabelte, auf das Objekt ausgerichtete Wissen zur Macht, das Gemachte zur Weltherrschaft. So haben die Universi(ali)t\u00e4t und Technik der &#8222;Neuen Welt&#8220; (25) die &#8222;zweite Natur&#8220; (26) herausgebildet, die dabei ist, durch &#8222;k\u00fcnstliche Intelligenz&#8220; keinen (?) &#8222;zweiten Menschen&#8220;, eine sich selbst programmierende Mensch-Maschine zu erschaffen, die nach dem Willen der Entwickler zum Menschen ein Verh\u00e4ltnis haben wird, wie dieser zum Tier.<\/p>\n<p>Natur bringt notwendig Welt, die Innenwelt eine Au\u00dfenwelt hervor, denn der Geist kann nicht ohne K\u00f6rper und der K\u00f6rper nicht ohne Geist sein. Beide bringen zusammen den Geist-K\u00f6rper &#8222;Lebendigkeit&#8220; hervor. Die Welt des Menschen ist dabei ein geistiger Fortschritt: &#8222;Die Natur schl\u00e4gt im Menschen die Augen auf und bemerkt, dass sie da ist&#8220; (Schelling). F\u00fcr Hegel ist er auch ein technischer Fortschritt vom &#8222;Verharren im Anderssein&#8220; (Natur) zur &#8222;Form des Anderssein&#8220; (Historie) &#8211; zur Erkenntnis logischer Naturgesetze des Menschen in der Nichtlogik der Natur. \u201eAber jeder Betrug&#8220;, warnt Hegel, &#8222;den er gegen die Natur aus\u00fcbt und mit dem er innerhalb ihrer Einzelnheit stehen bleibt, r\u00e4cht sich gegen ihn selbst; was er ihr abgewinnt, je mehr er sie unterjocht, desto niedriger wird er selbst\u201c (27). \u00dcber diese Mahnungen aus einer Zeit, in der die Welt erst vermessen wurde, hat sich der &#8222;technische Fortschritt&#8220; l\u00e4ngst hinweg gesetzt.<\/p>\n<p>Die atheistische &#8222;Neue Welt&#8220; ist noch immer getrieben vom &#8222;S\u00fcndenfall&#8220;. Wenn das Leben nur das ist, was sich nach der Geburt und vor dem Tod vollzieht, dann ist es ein gezeitigtes, das, wie der Sand in der Sanduhr, seinen Raum verliert. Diese Dem\u00fctigung des S\u00e4kularisierten, des reflexiv denkenden Menschen durch das Leben selbst, das Paradox &#8222;Tod durch Leben&#8220;, ist im proflexiven Gewahrsein des Geistes, im Hier und Jetzt, in dem das Nicht-Wissen als All-Wissen uns instinktiv den R\u00fccken st\u00e4rkt, aufgehoben. So kennt das Weltinnen keinen Tod. Das Sujet des Lebens ist permanent ein anderes, das Baby war ein anderes Leben als das Kind, als der Jugendliche, der Erwachsene, und dennoch immer die gleiche Narration: Das ewige Leben, das durch die Verk\u00f6rperung Zeit erschafft und diese in Ewigkeit verwandelt, indem sie den vom K\u00f6rper begrenzten Horizont in unendliche geistige Weiten transzendiert. In sich empfindet der Sterbende den Tod als Erl\u00f6sung. Die Religionen haben aus der &#8222;fr\u00f6hlichen Wissenschaft&#8220; Natur eine himmlische Geschichte gemacht und die Aufkl\u00e4rung hat lediglich den Gott (bei Hegel sehr anschaulich nachzulesen) vom Himmel auf die Erde geholt und dabei den Himmel, das &#8222;Feld der Leere&#8220;, vergessen. Eingebunden in die Schwerkraft des Todes lebt der Atheist im irdischen Jammertal, weil die Erkenntnis das Erkannte von dessen Vor-Anfang und Nach-Ende isoliert. So ist der Atheist zum Propheten f\u00fcr den &#8222;Urknall&#8220; (versus Sch\u00f6pfung) und die &#8222;Apokalypse&#8220; (versus Erl\u00f6sung) geworden, hat der Gottlose seinen eigenen Gott, die Rationalit\u00e4t, und seinen eigenen Teufel, das Irrationale, erschaffen.<\/p>\n<p>Die Dem\u00fctigung des Denkenden durch das Leben selbst, f\u00fchrt entweder vom Hochmut der Erkenntnis zur Demut der Einsicht: &#8222;Leben durch Tod&#8220;, die, ohne &#8222;dieses stirb und werde, bist du nur ein tr\u00fcber Gast auf der dunklen Erde&#8220; (Goethe), akzeptiert, dass der Tod und mit ihm das &#8222;Nihil&#8220; (Nichts), der Urgrund des Lebens ist, oder es befeuert die Hybris, den Kampf gegen den Tod. Der &#8222;technische Fortschritt&#8220; ist Menschwerdung, der &#8222;Fortschrittsglaube&#8220; dessen Vernichtung. Der Mensch ist durch Arbeit, durch das Benutzen seiner H\u00e4nde Mensch geworden. Die Hand ist die &#8222;Universit\u00e4t des Lebens&#8220;, sie hat Herz und Hirn gebildet und das Werkzeug, die Technik &#8211; den Umgang mit den Naturgesetzen gefunden, mit der aus dem \u00dcberlebenskampf des Menschen ein Leben in und mit der Natur wurde. Die Erfindung der Maschine ist die Kr\u00f6nung, der Mensch beherrscht mit ihr endg\u00fcltig Naturgewalt, ist zugleich der Kipppunkt, an dem der Geist aus der Hand gegeben wird und vergisst, dass alles immer auch sein Gegenteil ist. Intelligenz isoliert von der Natur wird zum Programm, das den Programmierer beherrscht. Der aus der Naturgewalt Emanzipierte wird, wie Goethes &#8222;Zauberlehrling&#8220;, Sklave der eigenen Erfindungen. Technischer Fortschritt ist ohne geistigen R\u00fcckschritt nicht zu haben.<\/p>\n<p>Geistiger Fortschritt ist Demut, w\u00e4hrend materieller Hochmut n\u00e4hrt. Der Kapitalismus hat Neid und Gier materialisiert und fordert f\u00fcr sich von der Evolution eine Ausnahme: Unbegrenztes Wachstum!, scheitert damit vor unseren Augen&#8230; Natur ist gewinnend, weil sie keinen Profit kennt und effektiv, indem sie erfolglos ist. In ihr ist alles, in sich selbst begrenzt. Die Grenze des &#8222;technischen Fortschritts&#8220; ist der geistige Fortschritt, fort von den Propheten des &#8222;geistigen Fortschritts&#8220;. Schelling, Fichte, Hegel bis hin zu Feuerbach, Marx und Engels, holten den &#8222;absoluten Geist&#8220;, den die Religionen als &#8222;Gott&#8220; im Himmel platziert haben, lediglich auf die Erde. Er ist dabei ein &#8222;Positiv&#8220; des Absoluten geblieben, das s\u00e4kularisiert zur &#8222;positiven Ontologie&#8220;, zur Vorstellung das Nicht-Sein ist nicht Teil des Da-Seins wurde, die sich einst in der &#8222;Diktatur des Proletariats&#8220; als &#8222;Weltrevolution&#8220;, heute als &#8222;Diktatur des Kapitals&#8220; im &#8222;grenzenlosen Wachstum&#8220; austobt. Doch Mensch und Natur k\u00f6nnen nicht gegeneinander, nur in Demut weltmodern sein. \u201eKein Dichter auf Erden vermag diesen \u00fcberhimmlischen Ort zu preisen. Der Lenker Geist aber, umringt von wahrem Wissen, wohnt an diesem Ort. Und er schenkt den Menschen Gl\u00fcck und sie schauen durch ihn die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Sie gewinnen Besonnenheit und unfassliche Erkenntnis\u201c.<\/p>\n<p>Platon hat diesen Ort im \u201ePhaidon\u201c besungen und dabei aus pr\u00e4natalen Erinnerungen des Tiefenbewussten, aus dem &#8222;Negativ&#8220;, der verborgenen Harmonie der Existenz, ein &#8222;Positiv&#8220;, ein &#8222;absolutes Etwas&#8220; gemacht. Es verwandelt das Weltinnen in einen &#8222;\u00fcberhimmlischen Ort&#8220;, der als &#8222;absolute Seele&#8220; im Jenseits \u00fcber der unvollkommenen Entstehungsform &#8222;Mutter Erde&#8220; thront. Bei Hegel wird daraus, s\u00e4kularisiert, die &#8222;absolute Idee&#8220;, mit der das &#8222;Paradies&#8220; vom Anfang an das Ende der Geschichte r\u00fcckt. Bei Marx, materialisiert, der &#8222;wissenschaftliche Sozialismus&#8220;, der die gegenseitige Ausbeutung des Menschen beendet und im digitalisierten Finanzkapitalismus die &#8222;k\u00fcnstliche Intelligenz&#8220;, die ihre Spekulationen wieder auf ein k\u00f6rperlich &#8222;ewiges Leben&#8220; ausweitet. So versucht die moderne Idee &#8222;Fortschritt&#8220; als Zukunft zu leben und wird dabei von der Gegenwart eingeholt, indem der vom Fortschritt bek\u00e4mpfte Tod die Gattung Mensch durch Naturkatastrophen in existenzbedrohendem Ausma\u00df einholt. Wir durchleben eine Zeitenwende, in der, wie im Mittelalter f\u00fcr die Religionen, aus der Utopie eine Dystopie wird. Der Mensch steht, wie einst der alleinige Gott, vor einem Abgrund, den er selbst erschaffen hat. &#8211; Die positive Nachricht ist: Der Mensch hat eine zweite Chance&#8230;<\/p>\n<p>Das Leben ist f\u00fcr den Lebenden ein Nichts, das vom absoluten Nichts, vom Tod aus betrachtet: All(es), Sinn in sich selbst, ewiges Leben ist. Damit ist das Dilemma der einseitigen, rational-wissenschaftlich-technischen Aufkl\u00e4rung ausgesprochen. Wird das Leben lediglich als physisch-psychisches Problem, als ein &#8222;Leib-Seele-Komplex&#8220; gesehen, der s\u00e4kularisiert \u00fcber das Da-Sein fassbar ist, entsteht notwendig eine &#8222;positive Ontologie&#8220;, eine Vorstellung vom Leben, die das So-Sein, das Negativ, den Tod, die Leere, die Verneinung, das Nichts ausklammert, so dass der Tod als die gro\u00dfe Dem\u00fctigung des Lebens empfunden werden muss. Selbst in der s\u00e4kularisierten Welt ist damit die Erde ein &#8222;Jammertal&#8220; geblieben, in dem alles in die Sinnlosigkeit st\u00fcrzt. Die rationale Aufkl\u00e4rung hat Zivilit\u00e4t in das &#8222;Jammertal&#8220; gebracht, indem sie die &#8222;Regierung aus dem Jenseits&#8220;, die in Kosmologien und Religionen das Da-Sein lenkt, durch die &#8222;Regierung im Da-Sein&#8220; ersetzte. Das ist ein gewaltiger Fortschritt in der Geschichte der Menschheit. Doch die gro\u00dfen Versprechen &#8222;Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit&#8220; hat sie dabei nicht einl\u00f6sen k\u00f6nnen, weil der Mensch vor keinem &#8222;G&#8220;, ob Gott, Gesetz, Geschlecht, Geld&#8230; gleich ist. Gleich ist der Mensch nur in sich, f\u00fcr sich, vor einem Selbst, das ein Nicht-Selbst ist. In diese spirituelle Dimension kann eine S\u00e4kularisierung nicht vordringen, sie kann lediglich die Rahmenbedingungen f\u00fcr eine s\u00e4kularisierte Spiritualit\u00e4t schaffen. Marx hat uns gelehrt: &#8222;Das Sein bestimmt das Bewusstsein&#8220;. Die Frage ist: Welches Sein? Das So-Sein oder das Da-Sein? F\u00fcr die rationale Aufkl\u00e4rung ist es eindeutig das Da-Sein. Das So-Sein, das vor dem Da-Sein existiert, in das Da-Sein hineingeboren wird und mit dem Tod das Da-Sein wieder verl\u00e4sst, ist nicht das Bewusstsein der Rationalit\u00e4t. Wissenschaft basiert auf dem Irrtum. In ihr ist der Fehler der eigentliche Fortschritt, nur durch ihn wei\u00df sie, was richtig und was falsch ist. Mit anderen Worten, hier gibt es noch &#8222;Anf\u00e4ngergeist&#8220;, eine &#8222;negative Ontologie&#8220;, die im Nicht-Wissen das Wissen sieht und nicht wie der &#8222;Expertengeist&#8220; im wissenden Wissen. Die Aufkl\u00e4rung 1.0 hat den Menschen der Technik und nicht die Technik dem Menschen angepasst. So wird die Aufkl\u00e4rung 2.0 den technischen Fortschritt wieder einfangen und Licht in das Dunkel der &#8222;negativen Ontologie&#8220; bringen&#8230;<\/p>\n<p>Das So-Sein des Lebens kann nur im &#8222;Feld der Leere&#8220; seinen Sinn &#8211; Gl\u00fcck entfalten. Betrachten wir das &#8222;Nichts&#8220; nicht mehr als ein idealistisches oder materialistisches &#8222;Ding&#8220;, denn ein &#8222;Ding&#8220; kann kein &#8222;Nichts&#8220; sein, so wird aus dem &#8222;horror vacui&#8220;, dem &#8222;schwarzen Loch&#8220;, in das das Denken zu st\u00fcrzen droht, wenn es nicht mehr durch Anfang und Ende eingerahmt ist, ein &#8222;Feld der Leere&#8220;. Dieses ist, wie der materielle Spiegel, ein Spiegel der sinnlich-geistigen Wahrnehmung, in den das Gewahrsein im Geiste blickt, bevor der Verstand der Kognition mit dem Denken, Vermessen und Berechnen beginnt. Der Verstand hei\u00dft Verstand, weil er dem bewegten Leben einen Standpunkt gibt, den Stand, von dem aus er punktet. Sein Dilemma ist nur, dass das Leben l\u00e4ngst fortgeschritten ist, wenn sein Standpunkt sich gebildet hat. Mit anderen Worten, der Verstand trabt immer hinterher. Er kann nicht auf H\u00f6he der Zeit sein, weil das Leben ein Fluss ist. Selbst wenn er sich mit digitaler Technik aufr\u00fcstet, ist die Echtzeit nie die echte Zeit, lediglich ein &#8222;Ego-Shooter&#8220;. Die tats\u00e4chliche Echtzeit ist die Widerspiegelung der Realit\u00e4t durch die Spiegelneuronen im Gehirn. Und in dieses &#8222;Feld der Leere&#8220; blickt das Gewahrsein, wenn vom &#8222;Nichts&#8220; die Rede ist &#8211; in ein &#8222;Nichts&#8220;, das ein &#8222;Nicht-Einrahmen&#8220; ist, das das &#8222;An-sich-Seiende&#8220; erm\u00f6glicht, ihm die &#8222;absolute Freiheit&#8220; l\u00e4sst. Im &#8222;Feld der Leere&#8220; verstrickt sich das &#8222;Sein-Tun&#8220; im &#8222;absichtlichen Tun&#8220; zur &#8222;Kausalit\u00e4t&#8220;, die es im &#8222;absichtslosen Tun&#8220;, im &#8222;Spiel&#8220;, wieder aufl\u00f6st. So wird das &#8222;So-Sein&#8220; im &#8222;Feld der Leere&#8220; zum tats\u00e4chlichen, nachhaltigen Gewinn des Lebens, mit dem das Interesse an der ideellen und materiellen Ausbeutung des &#8222;Da-Seins&#8220; erlischt. Den Neustart im &#8222;Anf\u00e4ngergeist&#8220; (28) beschreibt der US-Zen-Meister Bernie Glassman Roshi: \u201cSobald wir \u00fcber etwas Bescheid zu wissen glauben, machen wir dadurch einen anderen Verlauf der Dinge unm\u00f6glich. Sobald wir nicht mehr aus dem Nichtwissen heraus leben, fixieren wir unsere Situation so, dass wir das unabl\u00e4ssige In-Erscheinung-Treten der Dinge und Ereignisse nicht mehr zu erleben verm\u00f6gen. Die Dinge geschehen aber und nichts bleibt so, wie es ist. Indem wir jedoch Vorstellungen dar\u00fcber hegen, was unserer Meinung nach geschehen sollte, hindern wir uns daran zu sehen, was tats\u00e4chlich geschieht. Uns entr\u00fcstet, wenn unsere Erwartungen sich nicht erf\u00fcllen. Gelingt es uns hingegen, sie loszulassen, befinden wir uns im Einklang mit dem, was in Erscheinung tritt.\u201d Ein freier und gl\u00fccklicher Mensch und dessen kategorisch nicht-kategorischer Imperativ: \u201eLebendigkeit sei!\u201c, hei\u00dft es in einem &#8222;Manifest f\u00fcr das Anthropoz\u00e4n&#8220; (29) von Andreas Weber und Hildegard Kurt: \u201eWenn wir die Welt als lebendig erfahren, wird es unm\u00f6glich, unsere Beziehungen zueinander und zur Materie weiterhin als Ausbeutung von Ressourcen zu gestalten. Das Anthropoz\u00e4n l\u00e4sst sich nur \u00fcberstehen, wenn wir begreifen, dass nicht nur der Mensch die Natur durchdringt, sondern dass etwas uns ausmacht, das nicht anthropogen ist.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>(1) \u201eDie einzige Sache, die sich \u00fcber <em>Kunst<\/em> sagen l\u00e4sst, ist, dass sie eine Sache ist. <em>Kunst<\/em> ist. <em>Kunst<\/em> als <em>Kunst<\/em>, alles andere ist alles andere\u201c, Ad Reinhardt, der mit einem suchenden Strich begann und Farbfl\u00e4chenmaler wurde.<\/li>\n<li>(2) Der &#8222;Automatismus in der Kunst&#8220; geht auf das &#8222;automatische Schreiben&#8220;, die &#8222;\u00e9criture automatique&#8220; zur\u00fcck, mit der Andr\u00e9 Breton vom K\u00fcnstler forderte, sich von der &#8222;Herrschaft der Logik&#8220; zu befreien und spontan und ohne Kontrolle durch den Verstand zu schreiben (zu malen). Die &#8222;automatische Botschaft&#8220;, die Breton anstrebte nannte Max Ernst &#8222;poetische Objektivit\u00e4t&#8220;, (&#8222;Was ist Surrealismus&#8220;, Ausstellungskatalog Z\u00fcrich 1934)<\/li>\n<li>(3) Mit dem &#8222;Actionpainting&#8220; von Jackson Pollock, das er selbst nur &#8222;Dripping&#8220; nannte, kommt der &#8222;Automatismus&#8220; endg\u00fcltig in der Malerei an. In einem Interview mit William Wright antwortet 1951 Pollock auf die Frage, ob er ohne Pinsel nicht die Kontrolle \u00fcber den Farbfluss verlieren: &#8222;Mit Erfahrung ist es m\u00f6glich den Farbfluss zu kontrollieren, jedenfalls weitgehend, und ich, ich arbeite nicht mit dem Zufall &#8211; denn ich lehne den Zufall ab&#8220;. Daraus wird in Folge in der Kunstrezeption der &#8222;kontrollierte Zufall&#8220;.<\/li>\n<li>(4) Bei Laotse: &#8222;Tun ohne Tun&#8220;, in sp\u00e4teren Abwandlungen &#8222;WuWei&#8220;<\/li>\n<li>(5) &#8222;Wer Kalligrafie wirklich versteht, der achtet nur auf den geistigen Rhythmus und nicht auf die Form der Schrift.&#8220; (Shu Tuan &#8222;Beurteilung der Kalligrafie&#8220;, aus: Chang Chung-yuan &#8222;Tao, Zen und sch\u00f6pferische Kraft&#8220;, M\u00fcnchen 1980)<\/li>\n<li>(6) In seinen Vorlesungen zur \u00c4sthetik bezeichnet Hegel Kunst als \u201egeistgeborene Wirklichkeit\u201c. \u201eDie Wahrheit der Kunst darf also keine blo\u00dfe Richtigkeit sein, worauf sich die sogenannte Nachahmung der Natur beschr\u00e4nkt, sondern das \u00c4u\u00dfere mu\u00df mit einem Inneren zusammenstimmen, das in sich selbst zusammenstimmt und eben dadurch sich als sich selbst im \u00c4u\u00dferen offenbaren kann.\u201c<\/li>\n<li>(7) Der Nicht-Ich-Nicht-Geist ist im ZEN alles, doch kein &#8222;absolutes Ich&#8220;, keine &#8222;absolute Seele&#8220;, keine &#8222;absolute Idee&#8220;, kein &#8222;absoluter Geist&#8220;, kein &#8222;absolutes Nichts&#8220;, kein &#8222;Ding an sich&#8220;, kein &#8222;Weltgeist&#8220;, kein &#8222;Weltwille&#8220;, kein Etwas. Er ist schlicht und ergreifend &#8222;reiner Geist&#8220;, den wir nicht erkennen k\u00f6nnen, weil wir Teil von ihm sind und ein Teil das Ganze nicht \u00fcberblicken kann, sondern immer nur seinen Teil erkennt. Siehe auch (33).<\/li>\n<li>(8) &#8222;Gnothi seauton&#8220; ist eine vielzitierte Inschrift am Apollotempel von Delphi. Nietzsche bemerkt dazu in seiner Schrift &#8222;Jenseits von Gut und B\u00f6se&#8220;: &#8222;Was meinte jener Gott, welcher anriet: &#8222;Erkenne dich selbst!&#8220; Hiess es vielleicht: &#8222;H\u00f6re auf, dich etwas anzugehn! Werde objektiv!&#8220;<\/li>\n<li>(9) Aus dem Gedicht von Rainer Maria Rilke \u201eO Leben Leben, wunderliche Zeit\u201c, das er im Winter 1913\/14 in Paris schrieb und das in \u201eDas Inselschiff 11\u201c (1930) erschien, wird hier das Wortspiel \u201eLebenleben\u201c. &#8211; \u201eO Leben Leben, wunderliche Zeit \/ von Widerspruch zu Widerspruche reichend \/ im Gange oft so schlecht so schwer so schleichend \/ und dann auf einmal, mit uns\u00e4glich weit \/ entspannten Fl\u00fcgeln, einem Engel gleichend: \/ O unerkl\u00e4rlichste, o Lebenszeit.&#8220;<\/li>\n<li>(10) Rainer Maria Rilke, aus <a href=\"https:\/\/www.textlog.de\/22437.html\">&#8222;Es winkt zu F\u00fchlung&#8220;<\/a>: &#8222;Durch alle Wesen reicht der eine Raum: \/ Weltinnenraum. Die V\u00f6gel fliegen still \/ durch uns hindurch. O, der ich wachsen will, \/ ich seh hinaus, und in mir w\u00e4chst der Baum&#8220;.<\/li>\n<li>(11) Im traditionellen fern\u00f6stlichen Denken haben Mensch und Tier, hat das Lebewesen Lebensgeist, ist es ein geistiges Wesen, das von der Natur zum eigenst\u00e4ndigen Leben erleuchtet wurde. Der Mensch vergisst diese, seine &#8222;geistige Natur&#8220;, indem er sich in die Welt verliert, und erlangt sie auf dem Pfad der Tugend (&#8222;Dharma&#8220;) im\u00a0 ZEN als &#8222;Satori&#8220;, im Hinduismus als &#8222;Moksha&#8220; wieder. Der Buddhismus, der sich auch als Reformation des Hinduismus verstehen l\u00e4sst, entstand in einer Zeit, als die Kaste der Brahmanen f\u00fcr sich die &#8222;nat\u00fcrliche Erleuchtung&#8220; in Anspruch nahm. Siddhartha Gautama f\u00fchrte die Erleuchtung wieder auf den &#8222;nicht geborenen, nicht gewordenen Geist&#8220; zur\u00fcck und zeigte mit dem &#8222;reinen Geist&#8220; einen Weg zur &#8222;endg\u00fcltigen Erleuchtung&#8220; &#8211; ins &#8222;Nirvana&#8220; (siehe14). Im monolithischen Denken ist alles Geist, durchwebt ein in sich, f\u00fcr sich &#8222;reiner Geist&#8220; immanent-transzendent als Atem, Impuls, Bewegung, Rhythmus, Ursache und Wirkung helle und dunkle Materie, Nichts und Etwas, Licht und Schatten, Gott und Teufel, K\u00f6rper und Seele, Gut und B\u00f6se, Krieg und Frieden. Der Gegensatz wohnt dem Einen inne, bewegt und verfestigt es. Als Beispiel dient das Wasser, das vollst\u00e4ndig zur Ruhe gekommen eine glatte Fl\u00e4che bekommt, in der sich alles spiegelt, das aufgew\u00fchlt sch\u00e4umt und sich als Meerschaum materialisiert.<\/li>\n<li>(12) Als: &#8222;<i>formae nativae&#8220;<\/i> (&#8222;Entstehungsformen&#8220;) bezeichnete der franz\u00f6sische Gelehrte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bernhard_von_Chartres\">Bernhard von Chartres<\/a> (gestorben nach 1124) Formen, die er als &#8222;aktiv vermittelndes Prinzip zwischen der Ideenwelt und der Materie&#8220; einf\u00fchrte. Bekannt ist von ihm vor allem das Gleichnis: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Zwerge_auf_den_Schultern_von_Riesen\">&#8222;Zwerge auf den Schultern von Riesen&#8220;<\/a>. Chartres f\u00fchrt in ihm aus, dass er und seine Zeitgenossen Zwerge seien, die auf den Schultern von Riesen (den antiken Gelehrten) sitzen und diese dadurch an Weitblick \u00fcberragen, obwohl ihre Eigenleistung vergleichsweise gering sei.<\/li>\n<li>(13) Die G\u00f6ttin &#8222;Pachamama&#8220; (\u201eMutter Erde, Mutter Welt, Mutter Kosmos\u201c) gilt einigen indigenen V\u00f6lkern der Anden S\u00fcdamerikas als personifizierte Erdmutter, die Leben in vielfacher Hinsicht schenkt, n\u00e4hrt, sch\u00fctzt und in Ritualen mit dem Menschen kommuniziert.<\/li>\n<li>(14) &#8222;Yin und Yang&#8220; sind zwei Begriffe der chinesischen Philosophie, insbesondere des Taoismus. Sie stehen f\u00fcr entgegengesetzte und dennoch aufeinander bezogene Pole oder Prinzipien des Einen &#8222;I Ging&#8220; (Buch der Wandlungen) oder &#8222;Tao&#8220; (Weg).<\/li>\n<li>(15) &#8222;Nirvana&#8220; bedeutet \u201eErl\u00f6schen\u201c, w\u00f6rtlich \u201everwehen\u201c, \u201eerfassen\u201c im Sinne von verstehen. (&#8222;Eine Sache, die sich aufkl\u00e4rt, h\u00f6rt auf, uns etwas anzugehn&#8220;, sagt Nietzsche in seiner Schrift &#8222;Jenseits von Gut und B\u00f6se&#8220;). Doch im Gegensatz zur modernen Aufkl\u00e4rung des Westens, in der die Rationalit\u00e4t sich die Irrationalit\u00e4t untertan macht, ist der Buddhismus eine holistische Aufkl\u00e4rung, die das Rationale aus dem Irrationalen und das Irrationale aus dem Rationalen versteht, so dass sich hier alle falschen Vorstellungen vom Dasein, wie Ich-Sucht, Neid, Gier, Identit\u00e4t, Anhaftung, Hunger und Durst nach Leben, die Aufkl\u00e4rung nebst der Aufkl\u00e4rer, in &#8222;Bewusstsein&#8220; aufl\u00f6sen. Der leibhaftige Buddha, Siddhartha Gautama, ist nicht identisch mit den Statuen, die es im Baumarkt zu kaufen gibt. Von Siddhartha gibt es kein Bild. Der uns gel\u00e4ufige &#8222;Buddha&#8220; ist ein Symbol f\u00fcr den &#8222;reinen Geist&#8220;. &#8222;Bleib ohne Tun &#8211; nichts, das dann ungetan bliebe.&#8220; (Laotse, &#8222;Tao-Te-King&#8220;, Kapitel 48\/111)<\/li>\n<li>(16) &#8222;<span lang=\"la\">Divide et impera&#8220;<\/span> (<i>Teile und herrsche<\/i>) ist eine Redewendung, ein lateinischer Imperativ, der empfiehlt, eine zu besiegende oder zu beherrschende Gruppe (wie z. B. ein Volk) in Untergruppen mit einander widerstrebenden Interessen aufzuspalten. Dadurch soll erreicht werden, dass die Teilgruppen sich gegeneinander wenden, statt sich als Gruppe vereint gegen den gemeinsamen Feind zu stellen.<\/li>\n<li>(17) 500 Jahre vor Christus beginnt man in der griechischen Antike zwischen Mensch und Tier zu differenzieren, taucht die &#8222;menschliche Natur&#8220; als medizinischer Terminus erstmalig auf. Philosophisch bleibt man bei der Einheit der Gegens\u00e4tze: &#8222;Natur und Erziehung haben eine gewisse \u00c4hnlichkeit, denn auch die Erziehung wandelt den Menschen um, durch diese Umwandlung aber schafft sie Natur.&#8220; (Demokrit) Aristoteles greift in seiner &#8222;Rhetorik&#8220; den Gedanken auf: &#8222;Lernen impliziert [das] Sich-Versetzen in den Zustand, der der Natur entspricht.&#8220; In der &#8222;Nikomachischen Ethik&#8220; vergleicht er Naturanlage und Gewohnheit des Menschen und schlussfolgert, dass sie &#8222;der Natur gleicht&#8220;. In der &#8222;Metaphysik&#8220; spricht er schlie\u00dflich in Zusammenhang mit zahlentheoretischen \u00dcberlegungen von der &#8222;anderen Natur&#8220;. Aus diesen beiden Denkans\u00e4tzen, der Umwandlung der Gewohnheit des Menschen zu einer Natur, die &#8222;der Natur gleicht&#8220;, und der Erschaffung einer &#8222;anderen Natur&#8220; durch Berechnung und Arbeit, wird in Rom 45 vor Christus in Ciceros Reflektionen &#8222;<span class=\"reference-text\">\u00dcber die Ziele des menschlichen Handelns&#8220; <\/span>schlie\u00dflich: &#8222;Wir versuchen mit unseren H\u00e4nden inmitten der Natur gleichsam eine zweite Natur zu schaffen&#8220;.<\/li>\n<li>(18) Im dualistischen Denken wird aus der Polarit\u00e4t des Geistes eine Dualit\u00e4t, mit der der Geist absolut, als das vom Etwas Getrennte erscheint. Als &#8222;absoluter Geist&#8220; ist er Gott im Himmel oder der &#8222;objektive Geist&#8220; aus dem Labor. Das widerspruchsfreie Denken schlie\u00dft dabei den Widerspruch aus, kennt nur das &#8222;Entweder-oder&#8220;, w\u00e4hrend das dialektische Denken den Widerspruch zum &#8222;Sowohl-als-auch&#8220; einbezieht. \u201eEtwas ist also lebendig, nur insofern es den Widerspruch in sich enth\u00e4lt, und zwar diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und auszuhalten.\u201c Hegels &#8222;Wissenschaft der Logik&#8220; versucht die Logik des Menschen in die Nichtlogik der Natur zu integrieren und denkt: These (Verstand), Antithese (Negation), Synthese (Vernunft als Einheit der Widerspr\u00fcche). Bei ihm ist die Synthese die Antithese zur formalen Logik aus These und Antithese, so dass sein Denken zum Denken in Bewegung wird: \u201eDas Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, dass es wesentlich <i>Resultat<\/i>, dass es erst am <i>Ende<\/i> das ist, was es in Wahrheit ist; und hierin eben besteht seine Natur, Wirkliches, Subjekt oder Sichselbstwerden zu sein.\u201c (&#8222;Vorlesung \u00fcber die Geschichte der Philosophie&#8220;). Damit bef\u00f6rdert ein Philosoph, der das Christentum als &#8222;vollendet Religion&#8220; ansieht und die Philosophie als &#8222;objektive Religion&#8220; versteht, das &#8222;Paradies&#8220; vom Anfang an das Ende der Geschichte. Hegels Denken fu\u00dft im deutschen Idealismus, in der Naturphilosophie von Schelling und Fichte, und liest sich \u00fcber weite Strecken monolithisch, ist jedoch das Gegenteil. Im monolithischen Denken ist das &#8222;Paradies&#8220; weder im Himmel noch am Anfang oder Ende der Geschichte, ist es der &#8222;Himmel auf Erden&#8220;, das &#8222;Hier und Jetzt&#8220;.<\/li>\n<li>(19) Jesus in der Bergpredigt<\/li>\n<li>(20) so sahen Heidegger und Sartre den Menschen<\/li>\n<li>(21) &#8222;Wir sind alle Wilde&#8220;, sagt der Biologe und Philosoph <a href=\"http:\/\/www.autor-andreas-weber.de\/\">Andreas Weber<\/a> in seinem Buch &#8222;Indigenialit\u00e4t&#8220; und verdeutlicht, dass unsere Zivilisation nicht nur die Indigenen kolonialisiert hat, sondern auch unser eigenes Denken.<\/li>\n<li>(22) Im ersten Band &#8222;Blasen&#8220; seiner Trilogie &#8222;Sph\u00e4ren&#8220; nennt Peter Sloterdijk die pr\u00e4natale Symbiose zwischen Mutter und Kind &#8222;Zwei-Einheit&#8220;.<\/li>\n<li>(23) In Platons <i>Apologie<\/i> thematisiert Sokrates an f\u00fcnf Stellen ausdr\u00fccklich sein Nichtwissen oder seinen Mangel an Weisheit. Er behauptet jedoch nicht, wie Ciceros ungenaue lateinische Wiedergabe seiner Auffassung annehmen l\u00e4sst, dass die Kenntnis seiner eigenen Unwissenheit ein echtes, gesichertes Wissen sei und damit die einzige Ausnahme von der Unwissenheit darstelle. Vielmehr besagen die \u00c4u\u00dferungen des Sokrates nach Platons griechischem Text nur, dass er sich des Umstands bewusst sei, dass ihm Weisheit oder ein wirkliches, \u00fcber jeden Zweifel erhabenes Wissen fehle. Zudem geht es dem platonischen Sokrates nicht um technisches Fachwissen, sondern um Bestimmungen im Bereich der Tugenden und die Frage nach dem Guten. Was ist Besonnenheit? Was ist Tapferkeit? Was ist Fr\u00f6mmigkeit? Was ist Gerechtigkeit? Die wahre menschliche Weisheit ist es, sich des Nichtwissens im Wissenm\u00fcssen des Guten bewusst zu sein. (Wikipedia)<\/li>\n<li>(24) &#8222;Ubuntu&#8220; &#8211; w\u00f6rtlich: &#8222;Ich bin, weil du bist&#8220; &#8211; die Erfahrung und das Bewusstsein, dass alles Teil eines Ganzen ist. Eine Lebensphilosophie, die in S\u00fcdafrika (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ubuntu_(Philosophie)\">Nelson Mandela<\/a>) praktiziert wird. Das Wort &#8222;Ubuntu&#8220; kommt aus den Bantusprachen der Zulu und der Xhosa und bedeutet in etwa \u201eMenschlichkeit\u201c, \u201eN\u00e4chstenliebe\u201c und \u201eGemeinsinn\u201c.<\/li>\n<li>(25) Die &#8222;Neue Welt&#8220; ist eine historische Bezeichnung f\u00fcr das von den Spaniern unter Christoph Kolumbus im Jahr 1492 aus europ\u00e4ischer Sicht &#8222;entdeckte&#8220; Amerika. In Aldous Huxleys Roman &#8222;Sch\u00f6ne neue Welt&#8220; wird daraus 1932 ein dystopischer Blick auf die Moderne.<\/li>\n<li>(26) Was heute mit der Maschine, bzw. K\u00fcnstlichen Intelligenz gleichgesetzt wird, klang bei Goethe noch ganz anders: &#8222;Der K\u00fcnstler gibt, dankbar gegen die Natur, die auch ihn hervorbrachte, ihr eine zweite Natur, aber eine gef\u00fchlte, eine gedachte, eine menschlich vollendete zur\u00fcck&#8230;&#8220; (Aus: &#8222;Diderots Versuch \u00fcber die Malerei&#8220;)<\/li>\n<li>(27) Hegel, Gesammelte Werke, Bd. 6, Seite 321<\/li>\n<li>(28) Aus: Shunryu Suzuki \u201cZen-Geist, Anf\u00e4nger-Geist\u201d, Theseus Verlag 2014: \u201eWas wir \u201eIch\u201c nennen, ist nur eine Schwingt\u00fcr, die sich bewegt, wenn wir einatmen und ausatmen.\u201c (\u2026) \u201eF\u00fcr ZEN-Sch\u00fcler ist es das wichtigste, nicht dualistisch zu sein. Unser \u201curspr\u00fcnglicher Geist\u201d enth\u00e4lt alles in sich. Er ist immer reich und gen\u00fcgt sich selbst. Diesen euren selbstgen\u00fcgsamen Geisteszustand solltet ihr nicht verlieren. Damit ist kein verschlossener Geist gemeint, sondern dass er wirklich leer und bereit ist. Wenn euer Geist leer ist, ist er stets f\u00fcr alles bereit; er ist offen f\u00fcr alles.\u201c<\/li>\n<li>(29) <a href=\"https:\/\/oya-online.de\/article\/read\/1952-lebendigkeit_sei.html\">\u201eLebendigkeit sei! Das \u00bbErdzeitalter des Menschen\u00ab fordert uns zu einer neuen Ethik heraus.&#8220;<\/a> aus thinkOya, 2015, eine Schrift zum Auftakt von \u00bbErkundungs\u00adreisen in Kulturen der Lebendigkeit\u00ab: <a href=\"http:\/\/www.cultures-of-enlivenment.org\" rel=\"nofollow\">http:\/\/www.cultures-of-enlivenment.org<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Was stellen Sie so her? Ich stelle Unverst\u00e4ndnis her&#8220; (Monika Rinck) Der Mensch orientiert sich an Zeichen, die er selbst nicht setzen kann, und an Zeichen, die er selbst gesetzt hat. 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