{"id":30360,"date":"2020-05-05T08:59:40","date_gmt":"2020-05-05T08:59:40","guid":{"rendered":"https:\/\/tobegen.de\/?page_id=30360"},"modified":"2020-10-09T17:19:36","modified_gmt":"2020-10-09T17:19:36","slug":"eigene-texte-bodytext","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/tobegen.de\/?page_id=30360","title":{"rendered":"DER BODYTEXT"},"content":{"rendered":"<h6 style=\"text-align: center;\">&#8222;Was nicht zur L\u00fcge taugt, taugt auch nicht zur Wahrheit&#8220; (frei nach Roberto Ecco)<\/h6>\n<p>Mein \u201eFrisch gewagt ist halb gewonnen!\u201c versucht Kalligrafie als K\u00f6rpersprache neu zu denken. Kalligrafie entstand, als es nur wenige Schriftgelehrte gab, die den Inhalt ihrer Texte schriftbildlich den Nicht-Lesenden vermittelten. Sie machten sich die Tatsache zunutze, dass der Rhythmus einer Linie als K\u00f6rpersprache f\u00fcr sich spricht. Verzichtet die Kalligrafie ganz auf festgelegte Zeichen, spricht sie als Bodytext, widerlegt sie den Grundsatz der westlichen Aufkl\u00e4rung: &#8222;Ich denke, also bin ich&#8220; (1). Das Gegenteil ist nun der Fall: \u201eIch bin, also denke ich\u201c. So dass selbst in der Ignoranz des Egos die Ahnung schlummert, das Ich k\u00f6nne unm\u00f6glich der Weisheit letzter Schluss, unm\u00f6glich das &#8222;Ich bin&#8220; sein. Der kognitiven Essenz muss eine spirituelle Existenz (2), dem &#8222;Da-Sein&#8220; ein &#8222;So-Sein&#8220;, der \u201eLogik\u201c ein \u201eLogos\u201c, dem Selbstbewusstsein das Gewahrsein im Geiste, dem Teil das Ganze vorausgehen, das ein Teil nicht kennen kann, weil es ein Teil des &#8222;Allwissens&#8220; und nie das All ist. Ohne diese Weisheit g\u00e4be es weder Wissen noch Gedanken, keinen Versuch, das Unm\u00f6gliche aus dem M\u00f6glichen zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>So bringt der Bodytext das Nicht-Ich zur\u00fcck in den Text. Das ist bereits im Gedicht der Fall, das mit dem Text aus der Zeit, aus dem linearen Denken des Historischen ausschert, so dass ein geistiger Raum f\u00fcr Denkfiguren entsteht, die wiederum nichts feststellen, au\u00dfer, dass sie eine &#8222;geistgeborene Wirklichkeit&#8220; sind. Dieses Ph\u00e4nomen ist nicht nur auf das Denken und Schreiben begrenzt, auch das Malen und der Tanz texten, f\u00fchlen sich st\u00e4rker der wilden Semiotik der Denkfiguren zugeh\u00f6rig als der festgelegten Zeichensprache. Um die wilde Semiotik des &#8222;Pinseltanzes&#8220; soll es hier gehen, um die \u00dcbertragung der K\u00f6rpersprache in eine Bildsprache, die die von der Genialit\u00e4t vergessene Indigenialt\u00e4t, das Unbegriffliche und Unbegreifbare wieder ins Bewusstsein r\u00fcckt.<\/p>\n<p>In seiner Seelenlehre \u201eDe anima\u201c entwickelt Aristoteles eine Theorie des \u201eTastsinns\u201c, der nicht nur als haptischer Sinn die Hand pr\u00e4gt, sondern als solcher, wie wir inzwischen wissen, ma\u00dfgeblich auch das Gehirn herausbildet. Aristoteles geht noch weiter und entdeckt in ihm, mit ihm den &#8222;inneren Sinn&#8220; (3), einen Geist-K\u00f6rper, der das Herantasten in allen Sinnen erm\u00f6glicht. Dieser Sinn ist f\u00fcr die Biologie (noch) Unsinn, weil f\u00fcr sie der Sinn nach au\u00dfen gerichtet, von Au\u00dfen wahrnehmend ist. In der &#8222;De anima&#8220; wird er zum \u201eGemeinsinn\u201c, der alle Sinne durchwebend &#8222;die Seele&#8220; ist. So darf man Aristoteles &#8222;inneren Sinn&#8220; getrost als &#8222;Herzensbildung&#8220; verstehen: &#8222;<span class=\"st\">Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist f\u00fcr die Augen unsichtbar.&#8220; (4) <\/span>Aristoteles\u00b4 &#8222;Tastsinn&#8220; ist dabei beides, ein nach Au\u00dfen gerichteter Sinn, der der &#8222;offenkundigen Harmonie&#8220; (5) folgt, und ein nach Innen gerichtetes &#8222;geistiges Auge&#8220;, das die &#8222;verborgene Harmonie&#8220; (5a) sieht.<\/p>\n<p>Aristoteles entwirft in seiner &#8222;De Anima&#8220; kein &#8222;\u00dcber-Ich&#8220;, das bei Platon als &#8222;absolute Seele&#8220; \u00fcberirdisch residiert, mit dem der Mensch durch die Idee verbunden ist. Seine Seele ist ein &#8222;Spiegel&#8220;, das was Buddha &#8222;reinen Geist&#8220; nennt. Dieser &#8222;Hof des Geistes&#8220; ist in die materielle Existenz eingewoben, er l\u00e4sst sich weder abtrennen, isolieren noch erkennen. Im fern\u00f6stlichen Verst\u00e4ndnis ist die Seele die &#8222;negative Ontologie&#8220;, das &#8222;Nicht-Ich&#8220; und &#8222;Nicht-Wissen&#8220; im &#8222;Feld der Leere&#8220;. Im abendl\u00e4ndischen Denken ist sie eine &#8222;positive Ontologie&#8220;, der Engel des &#8222;Allwissenden&#8220;, externen &#8222;Gottes&#8220; oder die &#8222;Psyche&#8220; der Sozialisation. Bei Aristoteles wird sie durch den &#8222;Tastsinn&#8220; zum &#8222;Gemeinsinn&#8220;, bei Buddha durch &#8222;Achtsamkeit&#8220; (6) ber\u00fchrt. Sehend wie ein Blinder passiert das Gewahrsein das \u201etorlose Tor\u201c (7) zu den &#8222;letzten Fragen&#8220; und erkennt in ihnen das \u201eSich-selbst-Bewegende\u201c (8), den &#8222;raumlosen Raum&#8220; (9) der Ewigkeit. Das \u201eVon-Selbst-Bewusstsein\u201c (10) vollzieht das Wunder: &#8222;Die Erl\u00f6sung von der Knechtschaft unter dem Zwecke&#8220; (11). Die Bewusstheit der \u201eErahnung\u201c l\u00f6st die von der Welt entt\u00e4uschte \u201eErinnerung\u201c ab und der \u201eM\u00f6glichkeitssinn\u201c (12) \u00fcberwindet den \u201eWirklichkeitssinn\u201c (12a). Lebendigkeit ist die einzige M\u00f6glichkeit, Wirklichkeit nicht zu erleiden, indem wir sie sind, w\u00e4hrend die Verdinglichung der Wirklichkeit die Befreiung verhindert. So ersetzt der Bodytext die gedankliche Festlegung durch die spontane Pr\u00e4senz des Zeichens, wird das \u201eRitual\u201c des kognitiv gelenkten Malens oder Schreibens zur \u201ePerformance\u201c einer gedankenleeren Aktion.<\/p>\n<p>\u201eSapere aude\u201c \u2013 \u201eWage es, weise zu sein!\u201c (13) Der \u201ebody\u201c ersetzt das \u201ebrain\u201c, das \u201eBild\u201c den \u201eText\u201c, die \u201eEntstehungsform\u201c die \u201eIdee\u201c, die \u201eGedankenleere\u201c die \u201eErkenntnis\u201c, das \u201eDa-Sein\u201c das \u201eDenken\u201c. Das ist der Quantensprung in die Bewusstheit des Seins (14), in der es keine Trennung zwischen K\u00f6rper und Geist, Objekt und Subjekt gibt. Obwohl der Geist im Bodytext materialisiert, die Malaktion verdinglicht ist, bleibt das &#8222;Feld der Leere&#8220; bestehen. So dass der Pathos des Historienbildes, das Drama der zum &#8222;Gott&#8220; kognitiv \u00fcberh\u00f6hten Geste sich mit dem &#8222;Gewahrsein&#8220; zur Kom\u00f6die wendet und \u201evon Mensch zu Mensch, im pianissimo, jenes Etwas pulsiert, das dem entspricht, was fr\u00fcher als prophetisches Pneuma in st\u00fcrmischem Feuer durch die gro\u00dfen Gemeinden ging und sie zusammenschwei\u00dfte\u201c. Max Weber h\u00e4tte es mir kaum verziehen, dass aus dessen Pathos \u00fcber den \u201esublimierten Wert\u201c in der \u201eWissenschaft als Beruf\u201c, hier ein Bathos (15) wird, doch vielleicht w\u00fcrde es ihn erfreuen zu sehen, dass die Zeit das Sublimat vom Pathos der Worte entkleidet und das \u201eprophetische Pneuma\u201c als \u201egestisches L\u00e4cheln\u201c erscheint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>(1) Descartes\u00b4&#8220;cogito ergo sum&#8220; \u00fcbernimmt das neutestamentarische: &#8222;Im Anfang war das Wort&#8220;, das dort &#8222;Gott war das Wort&#8220; ist, und s\u00e4kularisiert es zum &#8222;Imperativ&#8220;, dem sp\u00e4teren &#8222;Naturgesetz&#8220;.<\/li>\n<li>(2) Sartre: \u201eWenn Gott nicht existiert, so gibt es zumindest ein Wesen, bei dem die Existenz der Essenz vorausgeht, ein Wesen, das existiert, bevor es durch irgendeinen Begriff definiert werden kann, und dieses Wesen ist der Mensch oder, wie Heidegger sagt, das Dasein.\u201c<\/li>\n<li>(3) Unter dem Titel &#8222;Der verborgene Sinn &#8211; Arch\u00e4ologie eines Gef\u00fchls&#8220; (Fischer Verlage, 2012) skiziiert der Kanadier Daniel Heller-Roazen auf \u00fcber f\u00fcnfhundert Seiten den Pfad, den der &#8222;innere Sinn&#8220; durch die verschiedenen philosophischen Systeme von Aristoteles \u00fcber Platon, Marc Aurel, Augustinus, Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Bacon, Campanella, Locke, Rousseau, Condillac bis hin zu Foucault genommen hat.<\/li>\n<li>(4) Aus &#8222;Der kleine Prinz&#8220; von <span class=\"st\">Antoine de Saint-Exup\u00e9ry<\/span><\/li>\n<li>(5\/5a) Heraklit: &#8222;Nichtoffenkundige Harmonie ist st\u00e4rker als offenkundige&#8220;, Reclam &#8222;Die Vorsokratiker I&#8220;, Seite 259<\/li>\n<li>(6) Die Entdeckung der \u201eAchtsamkeit\u201c geht historisch auf die buddhistische Lehre und Meditationspraxis zur\u00fcck. Achtsamkeit ist ein Zustand von Geistesgegenwart, in dem ein Mensch hellwach die Verfasstheit seiner direkten Umwelt, seines K\u00f6rpers und seines Gem\u00fcts erf\u00e4hrt, ohne von Gedankenstr\u00f6men, Erinnerungen, Phantasien oder starken Emotionen gelenkt dar\u00fcber nachzudenken, die Wahrnehmung zu bewerten.<\/li>\n<li>(7) Zwischen dem Bewussten und Unbewussten steht die Achtsamkeit aus dem Bewussten kommend vor einem verschlossenen Tor, das umgekehrt, vom Unbewussten kommend ins Bewusste, nicht existiert. \u201eDer gro\u00dfe Pfad hat keine Tore. Tausende von Wegen f\u00fchren zu ihm. Wenn einer durch dieses torlose Tor geht, so wandert er frei zwischen Himmel und Erde\u201c (Ekai, genannt Mumon, 1183 -1260). Folge dem &#8222;Nicht-Ich&#8220;, lehrt dieses Koan aus dem ZEN. &#8222;Lernt, nicht zu lernen&#8220;, lehrt Laotse (&#8222;Tao-Te-King&#8220;, Kapitel 64\/155).<\/li>\n<li>(8) Im \u201ePhaidros\u201c zitiert Platon Sokrates\u00b4 \u201ePreisrede auf den Eros\u201c: \u201eAllein das Sich-selbst-Bewegende, da es ja sich selbst nie verl\u00e4sst, h\u00f6rt niemals auf sich zu bewegen, und dies ist auch f\u00fcr alles andere, was bewegt wird, Quell und Urgrund der Bewegung. Urgrund ist ungeworden.\u201c<\/li>\n<li>(9) In seiner Schrift \u201eVon dem Raume\u201c stellt Kant fest: \u201eDer <em>Raum<\/em> ist demnach ein unbedingt erster <em>formaler Grund der Sinnenwelt<\/em>, (\u2026) weil er seinem Wesen nach nur einziger ist, der schlechthin alles \u00e4u\u00dferlich Sensible umfasst, und folglich einen Grund der <em>Gesamtheit<\/em> ausmacht (&#8230;)\u201c. Kant sagt hier: In welchem Raum wir uns auch bewegen, es ist immer der eine Weltraum, der uns umfasst, den wir nicht umfassen. F\u00fcr uns ist er fester Bestandtteil der Sinnenwelt, deren Gesamtheit wir nicht \u00fcberblicken, so dass der Verstand Eingrenzungen vornimmt. Fallen die weg, erleben wir den &#8222;raumlosen Raum&#8220;.<\/li>\n<li>(10) Mein Wortspiel aus Sokrates: \u201eSich-selbst-Bewegenden\u201c und Nietzsches &#8222;von Ohngef\u00e4hr&#8220;, in Abgrenzung zum Selbstbewusstsein, das kein \u201eUrgrund\u201c &#8211; Ego ist.<\/li>\n<li>(11) &#8222;Also sprach Zarathustra&#8220;, Reclam, Seite 155 (&#8222;Vor Sonnen-Aufgang&#8220;): &#8222;Von Ohngef\u00e4hr&#8220; &#8211; das ist der \u00e4lteste Adel der Welt, den gab ich allen Dingen zur\u00fcck, ich erl\u00f6ste sie von der Knechtschaft unter dem Zwecke.&#8220;<\/li>\n<li>(12\/12a) In seinem Roman \u201e Der Mann ohne Eigenschaften\u201c gibt Robert Musil dem vierten Kapitel die \u00dcberschrift: \u201eWenn es Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch M\u00f6glichkeitssinn geben\u201c, und schreibt dazu: \u201e&#8230;der M\u00f6glichkeitssinn (lie\u00dfe sich) geradezu als F\u00e4higkeit definieren, alles, was ebenso gut sein k\u00f6nnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist.\u201c<\/li>\n<li>(13) Das Zitat stammt aus dem ersten Buch der Episteln (Briefe), die der r\u00f6mische Dichter Horaz 20 v. Chr. ver\u00f6ffentlichte, und wird in der Interpretation meist mit Kants: \u201eHabe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!\u201c gleichgesetzt. Doch bei Horaz wird nicht der Verstand, sondern Sinnlichkeit bem\u00fcht; \u201e<span lang=\"la-VA\">sapere\u201d: Weisheit erlangen, <\/span>stammt aus lat.: &#8222;sap&#8220; = \u201eschmecken\u201c, \u201eriechen\u201c, \u201emerken\u201c.<\/li>\n<li>(14) Die informelle Kalligrafie hat sich vom Schriftzeichen verabschiedet, doch nicht vom schreibend gesetzten Zeichen, weil der Mensch nicht nur der von ihm selbst festgelegten Semiotik, sondern in weit st\u00e4rkerem Ma\u00dfe der &#8222;wilden Semiotik&#8220;, den von ihm nicht festlegbaren Zeichen folgt. So ist sie &#8222;sch\u00f6nes Schreiben&#8220; geblieben, bewahrt damit ihre Nachbarschaft zur Poesie, die gegenw\u00e4rtig eine \u00e4hnliche Auseinandersetzung f\u00fchrt wie die bildende Kunst. Es gibt die Pop-Poeten, die die Erweiterung des Diskurses durch das Internet feiern. Es gibt die Zeitgeist-Poeten, die, wie Gerhard Richter in der Malerei, &#8222;mit allen Mitteln der Kunst <em>nichts<\/em> schildern&#8220;. Und es gibt die Existenz-Poetinnen, Frauen-Power, die versteht, dass wir eine Zeitenwende durchleben, in der das dualistische &#8222;Ding&#8220;, ob &#8222;Gott&#8220;, &#8222;Idee&#8220;, &#8222;Technik&#8220;, &#8222;Nichts&#8220;, sich in ein &#8222;Sowohl-als-auch&#8220; aufl\u00f6st, was nicht nur Drama, sondern zugleich auch eine Kom\u00f6die ist &#8211; endlich der Tanz mit dem &#8222;DAS&#8220;. &#8222;Was ist ein Gedicht? Ein Gedicht ist nichts. Durch Beharrlichkeit kann aus einem Gedicht etwas werden, aber dann ist es etwas und nicht ein Gedicht. Warum ist es nichts? Weil es nicht angeschaut, geh\u00f6rt, ber\u00fchrt oder gelesen werden kann (was gelesen werden kann, ist Prosa). Es ist kein Ergebnis von Erfahrung, sei sie gew\u00f6hnlich oder ungew\u00f6hnlich, es ist das Resultat der F\u00e4higkeit, innerhalb der Erfahrung ein Vakuum zu schaffen &#8211; es ist ein Vakuum und daher ist es nichts&#8220;. (&#8222;Para-Riding&#8220;, Gedichte und Texte von Laura Riding) Und Monika Rinck: &#8222;DAS GEDICHT IST DA &#8211; (&#8230;) Tun Sie idiotische Dinge, lesen Sie unverst\u00e4ndliches Zeugs! Und: Ihnen wird Zeit geschenkt, die sie als einen Prozess des Geschehens zu sehen bef\u00e4higt werden. Das Gedicht erm\u00f6glicht Ihnen, einem Gedanken Zeit zu geben. Es zeigt Ihnen, wie sch\u00f6n es ist, immer wieder aufs Neue damit zu beginnen zu denken. (&#8230;) (Das Gedicht) vereint die sinnlichen und intellektuellen M\u00f6glichkeiten des Menschen in einem Nacheinander und Zugleich. Und erinnert daran, dass man das Ganze denken muss, denn eine Sph\u00e4re f\u00fcr sich allein stehen zu lassen, w\u00e4re Verrat. (&#8230;) Der Dichter John Keats sprach von <em>Negativ Capability<\/em> und meinte damit das Verm\u00f6gen, im Ungewissen, Unentschiedenen auszuharren. Das ist nicht gleichbedeutend mit Z\u00f6gerlichkeit oder einem Ausweichen vor Entscheidungen. Es geht um eine Toleranz gegen\u00fcber dem, was Ihnen vorerst unzug\u00e4nglich erscheint, man k\u00f6nnte sagen: das Gegenteil von Fundamentalismus&#8220; (aus &#8222;Risiko und Idiotie&#8220;, Fischer Taschenbuch, Frankfurt a.M., 2017, Seite 100 &#8211; 106)<\/li>\n<li>(15) &#8222;Bathos ist da, <em>wo wir ankommen<\/em>: nicht ein Sturz, sondern das, wohin wir st\u00fcrzen, kein Sinken, sondern die Senke. Es ist keine Wertschwankung, kein relatives <em>gemein werden<\/em> innerhalb des Kreislauf der Werte, sondern der <em>absolute<\/em> am Boden fixierte Wert.&#8220; (Keston Sutherland)<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Was nicht zur L\u00fcge taugt, taugt auch nicht zur Wahrheit&#8220; (frei nach Roberto Ecco) Mein \u201eFrisch gewagt ist halb gewonnen!\u201c versucht Kalligrafie als K\u00f6rpersprache neu zu denken. Kalligrafie entstand, als es nur wenige Schriftgelehrte gab, die den Inhalt ihrer Texte schriftbildlich den Nicht-Lesenden vermittelten. 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