{"id":34057,"date":"2021-05-07T05:48:08","date_gmt":"2021-05-07T05:48:08","guid":{"rendered":"https:\/\/tobegen.de\/?page_id=34057"},"modified":"2022-02-09T12:42:38","modified_gmt":"2022-02-09T12:42:38","slug":"ich-bin-weil-du-bist","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/tobegen.de\/?page_id=34057","title":{"rendered":"DEN QUELLTEXT NEU DENKEN"},"content":{"rendered":"<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-35330 size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-1313x1308.jpg 1313w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-768x765.jpg 768w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-1536x1530.jpg 1536w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-500x498.jpg 500w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-800x797.jpg 800w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-1280x1275.jpg 1280w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-533x533.jpg 533w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-640x640.jpg 640w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1-864x864.jpg 864w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-4-1.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\">IM TANZ DER WILDEN ZEICHEN BESTEHEN<\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Essay von J\u00fcrgen Tobegen<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"><em>&#8222;Die wilde Semiose&#8220;<\/em>, der wilde Zeichenprozess, schreibt die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann,<em> &#8222;bringt die Grundpfeiler der etablierten Zeichenordnung zum Einsturz, indem sie auf die Materialit\u00e4t des Zeichens ausgerichtet ist und die Pr\u00e4senz der durch die Zeichen auf Distanz gehaltenen Welt wiederherstellt. In jedem Fall erzeugt sie St\u00f6rungen und Unordnung im besonderen Beziehungssystem der Konventionen und Assoziationen. Sie stellt neue, unmittelbare Bedeutung her, sie unterl\u00e4uft, verzerrt, vervielf\u00e4ltigt, sprengt die vorgegebenen Raster der Sinnbildung.\u201c <\/em>(1)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieser Einsch\u00e4tzung kann ich nur zustimmen und begr\u00fcnden, dass mein <em>&#8222;wilder Zeichenprozess&#8220;<\/em> nicht weniger will als dem <em>&#8222;nous&#8220;, <\/em>dem <em>&#8222;Betrachten ohne Diskurs&#8220;<\/em>, nach der <em>&#8222;Einhegung&#8220;<\/em> des Bildes durch den &#8222;logos&#8220; der Worte\u00a0 und die <em>&#8222;Logik&#8220;<\/em> der <em>&#8222;festgelegten Zeichen&#8220;<\/em>, wieder eine neue (alte),<em> &#8222;unmittelbare Bedeutung&#8220;<\/em> zu verleihen. Er entstand, als ich versuchte <em>&#8222;richtig zu malen&#8220;<\/em>, was den Regeln der Konvention entsprechend hei\u00dft: Mit <em>&#8222;Logik&#8220;<\/em>, durch die Pr\u00e4zision festgelegter Gesten und Zeichen die Welt auf Distanz zu halten. Exakt so, wie ich als Kind in der Schule Schrift gelernt habe. Da ist mir der Kragen geplatzt, weil das, was durch meine Zuneigung auf Papier sollte seinen Sinn verlieren musste, damit es in festgef\u00fcgte Zeichen passt. Mit spontanen Strichen \u00fcbermalte ich meine Kopien und bekam gro\u00dfen Applaus: &#8222;Die Striche sagen etwas&#8230;&#8220; Nur, was?<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Absichtslos begab ich mich auf die Spur meiner spontanen Striche, nicht weil ich das <em>&#8222;WuWei&#8220;<\/em>, das <em>&#8222;Tun ohne Tun&#8220;<\/em> bereits kannte, das das Tao seit zweitausendf\u00fcnfhundert Jahren in der chinesischen Kalligrafie und Landschaftsmalerei lehrt, ich wollte meinen Strichen auf die Spur kommen und wusste nicht wie ein Bild nur aus ihnen aussehen kann. Dabei entdeckte ich, dass ich nicht nur eine Handschrift habe, die \u00e4u\u00dferst launisch ist und durch Selbstdisziplin in eine <em>&#8222;Sch\u00f6nschrift&#8220;<\/em> verwandelt werden kann. Dieses westliche Verst\u00e4ndnis von <em>&#8222;Kalligrafie&#8220;<\/em> hatte mich mein Vater bereits als Kind gelehrt, indem ich Zeuge war wie er aus B\u00fcchern alte Handschriften kopierte, sie einrahmte und an die Wand h\u00e4ngte. Doch der gleiche Vater, der fasziniert war von Schrifttypen, Schriftsetzer von Beruf war und diszipliniert alte Handschriften kopierte, konnte auch anders. Als er mein Zeugnis unterschrieb, hat er den Strich \u00fcber dem T so wild gesetzt, dass er die n\u00e4chsten Jahrg\u00e4nge gleich mit unterschrieb. Dieser wilde Zeichenprozess zeigte mir, dass sich hinter der <em>&#8222;Sch\u00f6nschrift&#8220;<\/em> eine <em>&#8222;K\u00f6rperschrift&#8220;<\/em> verbirgt. Doch meinen eigenen wilden Zeichenprozess verklausulierte ich noch 2020 als <em>&#8222;Figura Originis&#8220;<\/em> und konnte ihn nicht <em>&#8222;K\u00f6rperschrift&#8220;<\/em> nennen. Noch nicht, denn: <em>\u201eK\u00f6rperschriften entstehen durch lange Gew\u00f6hnung, durch unbewusste Einlagerung und unter dem Druck von Gewalt. Sie haben die Stabilit\u00e4t und Unverf\u00fcgbarkeit gemein. (&#8230;) Was dort im Innersten aufgeschrieben ist gilt als nicht l\u00f6schbar, weil es unver\u00e4u\u00dferlich ist,\u201c<\/em> (2)<\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8222;Beine und Arme sind voll von schlummernden Erinnerungen&#8220;<\/span><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"> (Marcel Proust) (3)<\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Der <em>&#8222;Druck der Gewalt&#8220;<\/em>, der Wut und Scham, als Kind Ohnmacht und Sprachlosigkeit in mir ausl\u00f6ste, mich als Erwachsener in Umwege zwang, die ein verkompliziertes Denken und Schreiben in mir bef\u00f6rderten, war der Stempel, den ich als Kind verpasst bekam und der hie\u00df: <em>&#8222;Legastheniker&#8220;.<\/em>\u00a0 Weil ich anders sp\u00fcrte und dachte als meine Umwelt und diesen Konflikt nicht ad\u00e4quat zur Sprache, geschweige in eine Schrift bringen konnte, war ich, obwohl mich niemand ausgrenzen wollte, der Ausgegrenzte. So dachte ich: <em>&#8222;Alles ist umgekehrt&#8220;<\/em> und schrieb auch so. <em>&#8222;Wie macht man dem Menschen-Tiere ein Ged\u00e4chtnis? Wie pr\u00e4gt man diesem teils stumpfen, teils faseligen Augenblicks-Verstande, dieser leibhaftigen Verge\u00dflichkeit etwas so ein, da\u00df es gegenw\u00e4rtig bleibt? Man brennt etwas ein, damit es im Ged\u00e4chtnis bleibt,<\/em> <em>nur was nicht aufh\u00f6rt, <\/em>weh zu tun,<em> bleibt im Ged\u00e4chtnis&#8220;<\/em> (4). <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Mein Vater war ein gro\u00dfer Nietzsche Verehrer und so hat er auch diese S\u00e4tze gekannt, aber ein &#8222;schwarzer P\u00e4dagoge&#8220; war er nicht, so wenig wie Nietzsche. Er war ein hochsensibler und tiefgr\u00fcndiger Mensch, der von seinem Vater, durch die Nazis und den Krieg, ein Ged\u00e4chtnis eingepr\u00e4gt bekommen hat und das nun mit seinem Sohn tat. Daf\u00fcr konnte ich ihm in der Mitte meines Lebens sogar dankbar sein, doch den <em>&#8222;Druck der Gewalt&#8220;<\/em> nahm das nicht. <em>&#8222;Verglichen mit dieser somatischen Wahrheit produziert der Verstand nur eine logische Wahrheit, &#8222;eine m\u00f6gliche Wahrheit&#8220;, ihre Wahl steht noch in unserem Belieben. (&#8230;) Nur der Eindruck, wie hauchd\u00fcnn auch seine Substanz zu sein scheint, wie ungreifbar seine Spuren, ist ein Kriterium der Wahrheit.&#8220;<\/em> (5). <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Kind versuchte ich mein <em>&#8222;Kriterium der Wahrheit&#8220;<\/em> zur Sprache zu bringen, indem ich meine eigenen W\u00f6rter und Zeichen erfand, mit ihnen aber nicht bestehen konnte. So habe ich mich in die innere Migration, die Welt der Tr\u00e4ume und Alptr\u00e4ume zur\u00fcckgezogen, bis ich, <em>&#8222;Pop, Underground, Nein: Gegenkultur&#8220;<\/em>, so hie\u00df mein Lieblingsbuch, mich der antiautorit\u00e4ren Revolte anschloss, von <em>&#8222;Sex, Drugs and Rock and Roll&#8220;<\/em> fasziniert war, in der Subkultur aber nicht bestehen konnte. So suchte ich weiter und fand schlie\u00dflich &#8222;meine&#8220; festgelegten Zeichen, Normen, Dogmen im Kommunismus&#8230; <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8222;&#8230;diese versteinerten Verh\u00e4ltnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigene Melodie vorsingt&#8220;<\/span><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"> (Karl Marx) (6)<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\"><em>\u201eEs war, als zerrisse ein Schleier vor meinen Augen. Zum ersten Mal empfand ich klar die Logik der Weltgeschichte und konnte ich die dem Anscheine nach so widerspruchsvollen Erscheinungen der Entwicklung der Gesellschaft und der Ideen auf ihre materiellen Ursachen zur\u00fcckf\u00fchren.\u201c<\/em> (7). So wie es der Schwiegersohn von Karl Marx hier sagt, erging es auch mir, als ich zum ersten Mal mit dessen Gedanken in Ber\u00fchrung kam. Es war auf einem Zeltlager der Naturfreundejugend in Otterndorf bei Cuxhaven, da traf ich auf Studenten aus Kiel, die als \u201eRote Zellen\u201c, auf ihrem <em>\u201eMarsch durch die Institutionen\u201c<\/em>, den Rudi Dutschke f\u00fcr die APO ausgerufen hatte, hier Marxismus unterrichteten. Ich lernte die <em>\u201e\u00d6konomisch-philosophischen Manuskripte\u201c<\/em> von Marx und das <em>\u201eKommunistische Manifest\u201c<\/em> kennen. Es waren Schl\u00fcsselbegriffe wie <em>\u201eEntfremdung\u201c<\/em> und\u00a0 der Widerspruch zwischen <em>&#8222;Sein und Sollen\u201c<\/em>, die in mir Klick machten, mich aus meiner individuellen Not befreiten, indem sie mein pers\u00f6nliches Schicksal in einen gr\u00f6\u00dferen, ja weltumspannenden \u201eKlassenzusammenhang\u201c stellten. <em>\u201eWer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein\u201c<\/em>, sagt Pelagea Wlassowa im <em>\u201eLob der Dialektik\u201c<\/em>, dem Schlusswort in Brechts Theaterst\u00fcck <em>\u201eDie Mutter\u201c<\/em> (8). <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\">Von jetzt auf gleich wurden die Widerspr\u00fcche der Welt die mich gefangen hielten, nicht nur erkl\u00e4rt, sie bekamen eine Dynamik, durch die ich sie ver\u00e4ndern konnte. Der einzelne Mensch h\u00f6rte auf ein <em>\u201eS\u00fcndenfall\u201c<\/em> zu sein, zu dem nicht nur die abrahamitischen Religionen ihn machen, indem sie die <em>&#8222;Erkenntnis&#8220;<\/em> als Widersacher zur Sch\u00f6pfung tadeln, auch der religi\u00f6se Buddhismus spricht den Wiedergeborenen schuldig, weil sein <em>&#8222;Karma&#8220;<\/em> ihn erneut ins Karussel des Leidens geschickt hat. Als <em>&#8222;Atheist&#8220;<\/em> und <em>&#8222;Legastheniker&#8220;<\/em> war, bin und bleibe ich f\u00fcr alle Weltreligionen ein hoffnungsloser Fall. So zeigte mir Marx, dass sich mein ganz pers\u00f6nliches Schicksal wendet, indem ich mich zur <em>\u201eKlasse\u201c<\/em> formiere. <em>\u201eDie Proletarier k\u00f6nnen sich die gesellschaftlichen Produktivkr\u00e4fte nur erobern, indem sie ihre eigene bisherige Aneignungsweise und damit die ganze bisherige Aneignungsweise abschaffen.\u201c<\/em> (9) <em>\u201eAn die Stelle der alten b\u00fcrgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegens\u00e4tzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung f\u00fcr die freie Entwicklung aller ist\u201c<\/em> (10). Das waren Ziele durch die mein leidendes Ich in einer Symbiose verschwandt, f\u00fcr die ich mein Leben opfern wollte, als ich mit 18 Jahren in die KPD\/ML aufgenommen wurde und gelobte dem Kommunismus bis ans Lebensende treu zu bleiben.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\">Erst 16 Jahre sp\u00e4ter verstand ich, dass der <em>\u201ereal existierende Sozialismus\u201c<\/em> an der Symbiose scheiterte, die mich so stolz gemacht hat. Spontan hat die Arbeiterklasse in keinem Land der Welt das <em>\u201erevolution\u00e4re Klassenbewusstsein\u201c<\/em> herausgebildet das Marx und Engels ihr unterstellten. Marx hat, um als Philosoph neben der &#8222;absoluten Philosophie&#8220; von Hegel, als Sch\u00fcler neben einem Gro\u00dfmeister zu bestehen, verlangt: <em>\u201eDie Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu ver\u00e4ndern&#8220;<\/em> (11). So wurde nicht durch Marx der <em>&#8222;Materialismus&#8220;<\/em> absolut gegen den <em>&#8222;Idealismus&#8220;<\/em> von Hegel gesetzt, das taten bereits andere Mitsch\u00fcler, Marx setzte den <em>&#8222;Klassenkampf&#8220;<\/em> und nach der Pariser Kommune die <em>&#8222;Diktatur des Proletariats&#8220;<\/em> absolut, um die <em>&#8222;materiellen Ursachen&#8220;<\/em> und nicht nur die <em>&#8222;Ideen&#8220;<\/em> zu ver\u00e4ndern.\u00a0<\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\">So wurde das Proletariat als <em>&#8222;Subjekt aller Ver\u00e4nderungen&#8220;<\/em> (12) aus <em>&#8222;\u00f6konomisch-philosophischen<\/em> <em>Erkenntnissen&#8220;<\/em> abgeleitet, mit Erfahrungen aus den Klassenk\u00e4mpfen angereichert, analog zur Bourgeoisie, zur Franz\u00f6sischen Revolution gesetzt, in der sich das B\u00fcrgertum tats\u00e4chlich zur Klasse formierte und Kirche und Adel entmachtete. Doch die Arbeiter stellten sich, wenn \u00fcberhaupt, an die Seite der nationalen Bourgeoisie, rebellierten gegen ihre Ausbeutung, ohne je den politischen Willen zur Macht zu entwickeln, den die Kommunisten ihnen unterstellten. So wurde aus der <em>\u201eDiktatur des Proletariats\u201c<\/em> eine Diktatur \u00fcber das Volk und es reichte in der DDR schlie\u00dflich als Widersacher ein einfacher Satz: <em>\u201eWir sind das Volk\u201c<\/em> und die sozialistische Diktatur st\u00fcrzte ein&#8230; <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwei Jahre zuvor, bereits 1987 in einer Politb\u00fcro-Sitzung \u00fcber den 7o.Jahrestag der Oktoberrevolution, brach diese Welt f\u00fcr mich und ich mit ihr zusammen. Ich erinnerte mich wieder, dass ich immer Maler, K\u00fcnstler werden wollte, begann zu malen und entdeckte die in mir verborgene &#8222;K\u00f6rperschrift&#8220;. Als ich mit ihr auch an der Hochschule der K\u00fcnste in Berlin nicht landen konnte, vom damaligen Professor und Maler Norbert Tadeusz heraus geschmissen wurde, da beschloss ich es autodidaktisch zu versuchen. <em>&#8222;Wo Brandmarkung war, soll Sprache entstehen!&#8220;<\/em> (13).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8222;Haltung: &#8230;gegen das Lautsein&#8220;<\/span><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"> (Mely Kiyak) (14)<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Inzwischen war ich schon in der Welt der Kalligrafie angekommen und fragte mich: \u201eWie kommt es dazu, dass mir arabische, chinesische, japanische Kalligrafien etwas sagen, obwohl ich keine dieser Sprachen, geschweige ihre Schrift kenne?\u201c Erst als ich meine eigene <em>&#8222;wilde Semiotik&#8220;<\/em> als eingeborene Genialit\u00e4t, als <em>&#8222;Indigenialit\u00e4t&#8220;<\/em> (15) verstand, verstand ich: <em>&#8222;Wir sind alle Wilde&#8220;<\/em> (16) und\u00a0 konnte aus dieser Perspektive die nah- und fern\u00f6stliche Kalligrafie geistig erfassen. Denn sie ist nicht nur, wie im westlichen Kontext <em>&#8222;Sch\u00f6nschrift&#8220;<\/em>, sie ist eine spontane <em>&#8222;K\u00f6rperschrift&#8220;<\/em>, die Menschen wie mir, die die festgelegten Zeichen nicht kennen, diese sinnhaft vermittelt. So verstand ich, dass abstrakte Maler sich in der Kalligrafie und umgekehrt Kalligrafen sich in abstrakter Malerei wiederfinden, denn der Rhythmus und die Melodie der <em>&#8222;wilden Semiotik&#8220;<\/em> ist universell. Es ist der <em>&#8222;Logos&#8220;<\/em> der Natur, die <em>&#8222;freie Rede&#8220;<\/em>, die durch Wind und Wetter, Fl\u00fcsse, Meere, B\u00e4ume, Blumen, Tiere, Menschen, aus Gestik, Mimik und Kl\u00e4ngen zu uns spricht&#8230; <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus diesem Geschenk der Natur, vermutlich aus Ablagerungen und Spuren, die der Zeichenprozess der Natur hinterl\u00e4sst, ist Schrift entstanden, die weltweit zun\u00e4chst eine Bildschrift war und sich \u00fcber Jahrtausende zu der abstrakten Schrift rationalisiert hat, die wir heute verwenden. <em>&#8222;Die Menschen bezahlen die Vermehrung ihrer Macht mit der Entfremdung von dem, wor\u00fcber sie Macht aus\u00fcben. Die Aufkl\u00e4rung verh\u00e4lt sich zu den Dingen wie der Diktator zu den Menschen. Er kennt sie, insofern er sie manipulieren kann&#8220;<\/em> (17). Denn das &#8222;Ding&#8220;, das wir mit &#8222;festgelegten Zeichen&#8220; manipulieren ist die <em>&#8222;Selbstentfaltung der Existenz&#8220;<\/em>, die in der antiken chinesischen Philosophie als <em>&#8222;Tao&#8220;<\/em> (Weg), <em>&#8222;Chi&#8220;<\/em> (Energie) und <em>&#8222;Li&#8220;<\/em> (Vernunft) verstanden wird und in der antiken griechischen Philosophie als <em>&#8222;nous&#8220;<\/em> (Vernunft) und <em>&#8222;logos&#8220;<\/em> (Verstand), so dass in Griechenland in <em>&#8222;freier Rede&#8220;<\/em>, in China durch <em>&#8222;absichtsloses Tun&#8220;<\/em> der Einklang mit dem <em>&#8222;aphanes metron&#8220;<\/em>, dem unfassbaren Ma\u00dfstab der Existenz gesucht wurde. Aus Sicht des kognitiv-rationalen Wissens ist das genetisch-irrationale Wissen ein <em>&#8222;Nichtwissen&#8220;<\/em>, weil es <\/span><\/span><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\"><em>&#8222;tern\u00e4r&#8220;<\/em> &#8211; wahr, unwahr, unfassbar &#8211; ist. Es flie\u00dft, steht nie still, kommt zu keiner Festlegung, ist ein Werden ohne Mehrwert, ohne Ziel. Anders das kognitive Denken, oder der <em>&#8222;Wagenhebereffekt&#8220;<\/em> (18), der den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet. Denn der Mensch wird im Gegensatz zu allen anderen Hirnen, mit einem unausgepr\u00e4gten Gehirn geboren. So dass unser Gehirn <em>&#8222;koevolution\u00e4r&#8220; <\/em>ist, aus einem von der Natur ausgepr\u00e4gten Teil, der Intuition, und aus einem von der Kultur geformten Teil, der Kognition, besteht. Dadurch hebt sich die menschliche Generationsfolge schneller h\u00f6her, sinkt sie im Gegenzug aber auch schneller tiefer, wenn sie, wie es jetzt zu sein scheint, die Grenzen des Wachstums \u00fcbersch\u00e4tzt&#8230; <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8222;Die Poesie zwingt sich nicht auf, sie setzt sich aus&#8220;<\/span><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"> (Paul Celan) (19)<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Der <em>&#8222;Wagenhebereffekt&#8220;<\/em> ist ein faszinierendes, aber auch verr\u00e4terisches Bild: Hier hebt ein Mann das Selbst als Auto&#8230; Frauen w\u00fcrden wohl eher von einem <em>&#8222;Bindungseffekt&#8220;<\/em> sprechen&#8230; Historisch hat sich die Dichotomie in etwa so herausgebildet: Zun\u00e4chst pr\u00e4gte das eingeborene <em>&#8222;Nichtwissen&#8220;<\/em> als <em>&#8222;Indigenialit\u00e4t&#8220;<\/em> oder <em>&#8222;Mutter<\/em> <em>Erde&#8220;<\/em> intuitiv die Tat. Tats\u00e4chlich war und ist darin der Mann der Frau unterlegen, denn er kann lediglich leiblich zeugen und kein neues Leben geb\u00e4ren, er hat keine leibliche Bindung zum Neuen. So schritt der Mann zur Tat, zur Machtergreifung des Patriarchats, das den <em>&#8222;Vater Himmel&#8220;<\/em> als neue <em>&#8222;Weltordnung&#8220;<\/em> imaginierte. Das Pantheon der G\u00f6tter war tats\u00e4chlich ein <em>&#8222;geistiger Fortschritt&#8220;<\/em> der es erm\u00f6glichte das indigeniale Nichtwissen auf einer Meta-Ebene, als ein <em>&#8222;tern\u00e4res Schauspiel&#8220;<\/em> &#8211; wahr, unwahr, unfassbar &#8211; zu spiegeln. Schauen wir auf das griechische oder indische Pantheon, so ist die G\u00f6tterwelt halb Mensch und halb Wesen. Die G\u00f6tter werden geboren, k\u00f6nnen sterben, leben auf jeden Fall erheblich l\u00e4nger als Menschen. Daraus erkl\u00e4rt sich das Streben nach <em>&#8222;Unsterblichkeit&#8220;<\/em> im griechischen Denken und das Bestreben aus dem <em>&#8222;Rad der Wiedergeburten&#8220;<\/em> auszusteigen im Hinduismus und Buddhismus. Der Mensch will \u00fcber die von ihm erschaffenen G\u00f6tter hinaus und als reiner Geist ewig sein. Mit diesem Wunsch ist zun\u00e4chst im Judentum, danach im Christentum Schlu\u00df, indem der eine Gott erscheint, der das Pantheon von jetzt auf gleich abschafft, indem er als Sch\u00f6pfer des Universums nie geboren, unsterblich ist. Und, das ist die <em>&#8222;frohe Botschaft&#8220;<\/em> dieser Religionen, der Mensch ist es auch, indem er an den einen Gott glaubt. Im Judentum und sp\u00e4ter im Islam, ist <em>&#8222;der Eine&#8220;<\/em> ein unsichtbarer Gott, der erh\u00f6rt wird, dem der Mensch durch Gehorsam folgt. Erst im Christentum durch Jesus, den Gottessohn, ist <em>&#8222;der Eine&#8220;<\/em> in der Welt, die Erscheinung im Sein. Doch dieser Gott verliert, nachdem er in Missionskriegen gewaltsam durchgesetzt werden musste, schlie\u00dflich seine Autorit\u00e4t, indem der durch ihn in einer erleuchteten Welt lebende Mensch, die weltlichen Zusammenh\u00e4nge selbst erkennt und sich von einem Gott im Himmel abwendet. So nimmt die Aufkl\u00e4rung an Pfad auf, die den unfassbaren Ma\u00dfstab (aphanes metron) wieder als etwas Unsichtbares, als Naturgesetz annimmt, das nicht nur der Natur, dem menschlichen Leben zu Grunde liegt. Und diesem Gesetz folgt der Mensch nicht durch Gehorsam, durch \u00dcberzeugung, indem er es sich selbst plausibel und sichtbar macht. Dieses <em>&#8222;Ich denke, also bin ich&#8220;<\/em> f\u00fchrte zur Neuordnung der Welt durch die amerikanische, franz\u00f6sische und schlie\u00dflich russische Revolution&#8230;<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Den Teufel hat die S\u00e4kularisierung dabei nicht vergessen, wie Ernst Bloch es vermutet. (20) Der m\u00e4nnliche Wagenheber <em>&#8222;Zivilisation&#8220;<\/em> hat aus dem <em>&#8222;evolution\u00e4ren Fortschritt&#8220;<\/em>, dem geb\u00e4renden <em>&#8222;Logos&#8220;<\/em>, eine erzeugte <em>&#8222;technische Innovation&#8220;<\/em>, die bin\u00e4re <em>&#8222;Logik&#8220;<\/em> gemacht. Deren <em>&#8222;technischer Fortschritt&#8220;<\/em> besteht darin das <em>&#8222;Widersacherische&#8220;<\/em> (21) der Natur &#8211; <em>&#8222;was geboren ward, muss sterben&#8220;<\/em> (22) &#8211; zu externalisieren. Im Denkraum der <em>&#8222;Logik&#8220;<\/em> ist das Undenkbare nicht existent, weder gibt es das Vor-der-Geburt, das Nach-dem-Tod, noch das Gegenteil dessen was gedacht wird. Die <em>&#8222;Logik&#8220;<\/em> sterilisiert sich durch <em>&#8222;festgelegte Zeichen&#8220;<\/em> von selbst gegen den Virus Leben, h\u00e4lt sich mit technischen <em>&#8222;Applikationen&#8220; und<\/em> <em>&#8222;smarten L\u00f6sung&#8220; <\/em>die Welt auf Distanz. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\">Denn die Aufkl\u00e4rung folgt nicht der <em>&#8222;Maieutik&#8220;<\/em> (23), nicht der Hebammenkunst, die der Intuition ein Leben mit Verstand erm\u00f6glicht, sie folgt der <em>&#8222;mechan\u00e9&#8220;<\/em> (24), die die Intuition durch den Verstand ersetzt und altgriechisch auch <em>&#8222;Betrug an der Natur&#8220;<\/em> genannt wurde. Und das geschah so: Jedes Lebewesen, ob Mensch oder Tier entwickelt Technik, wird zum Techniker seines Lebens. Als der Mensch daf\u00fcr Werkzeuge fand, begann der Mann damit die leibliche Technik, mit der die Frau ihm \u00fcberlegen war, zu externalisieren. Daraus wurde zun\u00e4chst die <em>&#8222;mechan\u00e9&#8220;<\/em>, in Folge die Maschine, in Folge die Industrie, das Selbstfahrzeug Auto, der Computer, schlie\u00dflich die <em>&#8222;unsichtbare Maschine&#8220;<\/em> das Internet. Die Maschine wurde und wird dabei als <em>&#8222;Gott&#8220;<\/em> angebetet oder als <em>&#8222;Teufel&#8220;<\/em> verdammt, wurde zum <em>&#8222;Denker ohne Denken&#8220;<\/em>, der vom Menschen programmiert, mit seinen Programmen den Menschen programmiert. <em>&#8222;Die Maschine ist kein technisches Gadget mehr, sondern l\u00e4ngst zur geistigen Gr\u00f6\u00dfe geworden. Sie ist das unbewusste der Philosophie, der Gesellschaft \u00fcberhaupt. W\u00fcrde der Geist der Maschine freigesetzt, w\u00e4re endlich eine nun von allem metaphysischen Ballast befreite, radikal geistesgegenw\u00e4rtige Philosophie denkbar&#8220;<\/em> (25).<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<h1 style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8222;Ich suche nicht. Ich finde.&#8220;<\/span><\/h1>\n<p style=\"text-align: center;\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Sitka Heading; color: #000000;\"><span style=\"font-size: large;\"> (Pablo Picasso) (26)<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\">So ist das <em>&#8222;Widersacherische&#8220;<\/em>, das der Automatisierung des Lebens widersteht, die <em>&#8222;K\u00f6rperschrift&#8220;.<\/em> Die Schrift des K\u00f6rpers und nicht die Bemalung der K\u00f6rper mit Tattoos, die lediglich ein induktiver (ableitender) Reflex der Popkultur auf die deduktive (vorhandene) Ver\u00e4nderung der Gesellschaft durch die Digitalisierung ist. Der <em>&#8222;Bodytext&#8220;<\/em> als bildlich sichtbar gemachte Sprache der K\u00f6rper ist eine <em>&#8222;Abduktion&#8220;<\/em> (27), ein gestisches Wegf\u00fchren vom K\u00f6rper zum Bild, das als K\u00f6rpersprache decodierbar ist. So ist die Intuition der <em>&#8222;wilden Semiotik&#8220;<\/em> &#8211; auf und unter der Haut &#8211; die existentielle Antwort auf die durch Technik gesteigerte Rationalit\u00e4t des modernen Lebens. Die Natur hat nie geschwiegen, jetzt spricht sie wieder lauter. So kann das Dilemma das der <em>&#8222;Heilige Geist&#8220;<\/em> als <em>&#8222;Denker des Denkens&#8220;<\/em> (Gott) angerichtet hat, das die rationale Aufkl\u00e4rung lediglich zum <em>&#8222;Ding&#8220;<\/em>, zum <em>&#8222;Denker ohne Eigenschaften&#8220;<\/em> (Objektiv\u00e4t) reformierte, das durch programmierbare Techniken als <em>&#8222;Denker ohne Denken&#8220;\u00a0<\/em>(KI) Menschen wie Maschinen denkt, nur im <em>&#8222;nous&#8220;<\/em> &#8211; dem <em>&#8222;Gedanken ohne Denker&#8220;<\/em> (28) &#8211; aufgel\u00f6st werden. Endlich offenbart sich die <em>&#8222;Selbstentfaltung der Existenz&#8220;<\/em> als <em>&#8222;Indigenialit\u00e4t&#8220;<\/em>, als <em>&#8222;evolution\u00e4res Nichtwissen&#8220;<\/em> das durch <em>&#8222;Logik&#8220;<\/em> nicht nur nicht erkannt, in eine Sackgasse f\u00fchrt. So trifft Ludwig Wittgenstein exakt den Punkt, wenn er schreibt:<em>&#8222;Die L\u00f6sung des R\u00e4tsels des Lebens in Raum und Zeit liegt au\u00dferhalb von Raum und Zeit&#8220; <\/em>(29). <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\">Denn <em>&#8222;Raum und Zeit&#8220;<\/em> sind Ph\u00e4nomene des Denkens, sind Bemessungen mit denen die Erkenntnis ihren <em>&#8222;Denkraum&#8220;<\/em> sich er\u00f6ffnet, der vom <em>&#8222;nous&#8220;<\/em>, der <em>&#8222;freien Rede&#8220;<\/em> vor dem <em>&#8222;logos&#8220;<\/em>, nicht betreten wird. Denn das <em>&#8222;nous&#8220;<\/em> &#8211; die <em>&#8222;irrationale Vernunft&#8220;<\/em> &#8211; ist nicht narzisstisch, weder der fleischgewordene <em>&#8222;Heilige Geist&#8220;<\/em> der Bibel, noch die <em>&#8222;absolute Seele&#8220;<\/em> von Platon, die <em>&#8222;absolute Idee&#8220;<\/em> von Hegel, oder das <em>&#8222;absolute Ich&#8220;<\/em> von Fichte, auch nicht das zweifelnde <em>&#8222;Ich denke&#8220;<\/em> von Descartes, nicht die <em>&#8222;Enteignung der Enteigner&#8220; <\/em>durch die Pariser Kommune oder das <em>&#8222;Proletarier aller L\u00e4nder vereinigt euch&#8220;<\/em> des Kommunistischen Manifestes. Er ist das Gegenteil: Die <em>&#8222;Intersubjektivit\u00e4t&#8220;<\/em>, <em>&#8222;Ich bin, weil du bist&#8220;<\/em>, das <em>&#8222;gro\u00dfe Mitgef\u00fchl&#8220;<\/em>. So k\u00f6nnen wir nicht \u00fcber die <em>&#8222;Eigentumsfrage&#8220;<\/em>, weder durch Privat- noch Staatseigentum, weder durch den Glauben an Religionen noch das Wissen der Forschung, weder durch einen <em>&#8222;Neuen Menschen&#8220;<\/em> noch eine <em>&#8222;Neue Welt&#8220;,<\/em> die <em>&#8222;Befreiung vom Leid&#8220;<\/em> erreichen. Die <em>&#8222;rationale Aufkl\u00e4rung&#8220;<\/em>, die antrat das zu schaffen, verlagert die Dualit\u00e4t zwischen K\u00f6rper und Geist lediglich in den <em>&#8222;Freien Willen&#8220;<\/em> und damit in das Individuum hinein. Der Aufgekl\u00e4rte bekommt die <em>&#8222;Weltordnung&#8220;<\/em> als <em>&#8222;Privatsache&#8220;<\/em> aufgebrummt und kann sehen wie er mit der Spaltung, die ihn als Mensch zerrei\u00dft, fertig wird. Er ist damit komplett \u00fcberfordert und muss erkennen, dass es keine App(likation) dagegen gibt&#8230; <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\">In diesem Moment erweist sich das <em>&#8222;Tun ohne<\/em> Tun&#8220; als revolution\u00e4re Antwort. Indem das Ego, der Macher in sich verschwindet, h\u00f6rt das Ich auf als \u00dcber-Ich das <em>&#8222;Nichtwissen&#8220;<\/em> zu kontrollieren und der Mensch kann sein, was er immer war, ist und bleibt: Ein Teil des Ganzen. So schlie\u00dft sich der Kreis. Das Geniale &#8211; <em>&#8222;\u00dcber-Ich&#8220;<\/em> &#8211; l\u00f6st sich in das Indigeniale &#8211; <em>&#8222;Es&#8220;<\/em> &#8211; wieder auf und die <em>&#8222;Logik&#8220;<\/em> kann sich beim <em>&#8222;Logos&#8220;<\/em> bedanken, dass es den <em>&#8222;nous&#8220;<\/em> (das <em>&#8222;Tao&#8220;<\/em>) kennt. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\"><em>&#8222;Das Wunder, das den Lauf der Welt und den Gang menschlicher Dinge immer wieder unterbricht und vor dem Verderben rettet, ist schlie\u00dflich die Tatsache der Natalit\u00e4t, das Geborensein, welches die ontologische Voraussetzung daf\u00fcr ist, da\u00df es so etwas wie Handeln \u00fcberhaupt geben kann&#8220;<\/em> (30). Ein <em>&#8222;Tun ohne Tun&#8220; <\/em>(31), mit dem wir<\/span><\/span><span style=\"font-family: Sitka Heading;\"><span style=\"font-size: large;\"><em> \u201ewieder werden, wer wir nie waren\u201c<\/em> (32)&#8230;<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(1) Aleida Assmann, &#8222;Im Dickicht der Zeichen&#8220;, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2015<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: small;\">(2) Aleida Assmann, <\/span><em><span style=\"font-size: small;\">&#8222;Erinnerungsr\u00e4ume: Formen und Wandlungen des kulturellen Ged\u00e4chtnisses&#8220;,<\/span><\/em><span style=\"font-size: small;\"> C.H. Beck, M\u00fcnchen 1999<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(3) Marcel Proust, &#8222;Auf der Suche nach der verlorenen Zeit&#8220; &#8211; Die wiedergefundene Zeit, Band 2, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1961 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(4) Friedrich Nietzsche, Zur Genealogie der Moral&#8220;<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(5) Marcel Proust, &#8222;Auf der Suche nach der verlorenen Zeit&#8220; &#8211; Die wiedergefundene Zeit, Band 2, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1961 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(6) &#8222;Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, Einleitung, MEW 1, S.381, Dietz Verlag, Berlin <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(7) Paul Lafargue \u201eKarl Marx, Pers\u00f6nliche Erinnerungen\u201c, in \u201eDie Neue Zeit\u201c, Hrsg. K. Kautsky, 9.Jahrgang, Bd.1 \u2013 zitiert aus dem Vorwort von Barbara Zehnpfennig zu \u201e\u00d6konomisch-philosophische Manuskripte\u201c von Karl Marx, Felix Meiner Verlag, Hamburg 2005 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(8) Bertolt Brecht, &#8222;Die Mutter&#8220;, S.90, Rowohlt Taschenbuch, Reinbek, 1967 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(9) Marx\/Engels &#8222;Manifest der Kommunistischen Partei&#8220;, S. 47, Verlag f\u00fcr fremdsprachige Literatur, Peking 1975 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(10) ebenda, S.61 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(11) Karl Marx, &#8222;Ludwig Feuerbach und der Ausgang der deutschen Philosophie&#8220;, These 11, MEW, Bd. 3, Seite 533, Dietz Verlag Berlin, 1969 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(12) Karl Marx: \u201eDie heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik &#8211; Kritische Schlacht gegen den franz\u00f6sischen Materialismus\u201c, MEW Bd. 2, S. 131-142. Dietz-Verlag, Berlin 1957<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(13) zitiert aus Peter Sloterdijk, &#8222;Zur Welt kommen &#8211; Zur Sprache kommen&#8220;, S.7, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1988 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(14) In ihrem Buch &#8222;Haltung: Essay gegen das Lautsein&#8220;, setzt sich Mely Kiyak mit der Emp\u00f6rungskultur auseinander, die schreit, wenn es zu sp\u00e4t ist, statt zuvor Haltung zu beweisen&#8230;<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(15) Andreas Weber, &#8222;Indigenialit\u00e4t&#8220;, Nicolai-Verlag, Berlin 2018 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(16) &#8222;Wir sind alle Wilde&#8220;, sagt Andreas Weber und verdeutlicht, dass unsere Zivilisation nicht nur die Indigenen kolonialisiert hat &#8211; sondern auch unser eigenes Denken. Wild bedeutet dabei nicht regellos im Sinne von Hobbes, sondern offen f\u00fcr den Austausch in einer Welt der Gegenseitigkeit. <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(17) Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, &#8222;Dialektik der Aufkl\u00e4rung&#8220;, S.15, Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 1969<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(18) Michael Tomasello: Menschliche Wesen unterscheiden sich von anderen Lebewesen durch ein &#8222;koevolution\u00e4res Prinzip&#8220;: &#8222;F\u00e4higkeiten, die durch Reifung entstehen, schaffen die M\u00f6glichkeit neuer Arten von Erfahrungen und Lernen, und anschlie\u00dfend sind diese Lernerfahrungen die unmittelbaren Ursachen der Entwicklung&#8220;, &#8222;Mensch werden. Eine Theorie der Ontogenese&#8220;, S.57, Suhrkamp, Berlin 2020 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(!9) Peter Sloterdijk, Titel: &#8222;Zur Welt kommen &#8211; Zur Sprache kommen&#8220;, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1988<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(20) Ernst Bloch, &#8222;Experimentum Mundi&#8220;, Werkausgabe Bd. 15, S.235, Suhrkamp, Frankfurt a.M., 1977. &#8222;(&#8230;) mit der Entmythologisierung fiel also stark auch der Gegenstand weg, der in jeder Mythologie des B\u00f6sen doch so stark angetroffen und erfahren schien. (&#8230;) Die S\u00e4kularisierung des Rests (&#8230;) blieb aus, wenig oder nichts wurde hier auf die F\u00fc\u00dfe gestellt.&#8220;<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(21) Ernst Bloch, (ebenda) S.231<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(22) Johann Gottfried von Herder, &#8222;Aphorismen&#8220;: &#8222;Was geboren ward, mu\u00df sterben; \/Was da stirbt, wird neu geboren .\/ Mensch, du wei\u00dft nicht, was du warest; \/Was du jetzt bist, lerne kennen,\/Und erwarte, was du sein wirst.&#8220;<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(23) Der Begriff geht auf Sokrates zur\u00fcck, der der Sohn einer Hebamme war, die in der Antike, im Gegensatz zu heute, nicht nur Erm\u00f6glicherinnen des Lebens waren, das nicht Lebensf\u00e4hige auch t\u00f6teten. <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(24) Die mechan\u00e9 ( griechisch :<span style=\"color: #808080;\"> \u03bc\u03b7\u03c7\u03b1\u03bd\u03ae<\/span> , m\u0113khan\u1e17 ), Mechanismus oder Maschine war ein im 5. und 4. Jahrhundert vor Christus an griechischen Theatern verwendeter Kran, der aus Holzbalken und einem Flaschenzugsystem bestand. Mit ihm wurde ein am Kran h\u00e4ngender Schauspieler, im \u201eFlug\u201c aus der \u201eLuft\u201c in das B\u00fchnengeschehen eingef\u00fchrt um beim Zuschauer die \u00dcberw\u00e4ltigung zu erzeugen, die Gl\u00e4ubige erfahren, wenn der Angebetet zu ihnen spricht&#8230; Daher der lateinische Begriff deus ex machina (\u201eGott aus der Maschine \u201c).<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(25) Martin Burckhardt, &#8222;Philosophie der Maschine&#8220;, Klattentext, Matthes &amp; Seitz, Berlin, 2018<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(26) Zitiert aus: H\u00e9l\u00e8ne Parmelin, &#8222;Picasso dit&#8220;, Paris 1966 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(27) Als erkenntnistheoretischer Begriff wurde die bis dahin nur in der Orthop\u00e4die gel\u00e4ufige &#8222;Abduktion&#8220; vor hundert Jahren von dem US-Philosophen und Logiker Charles Sanders Peirce eingef\u00fchrt. Er steht hier f\u00fcr das\u00a0 (vom K\u00f6rper) &#8222;Wegf\u00fchren&#8220;, die &#8222;Induktion&#8220; f\u00fcr das &#8222;Hineinf\u00fchren&#8220; und die &#8222;Deduktion&#8220; f\u00fcr das &#8222;Ableiten&#8220; <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(28) Mark Epstein, &#8222;Gedanken ohne Denker &#8211; Wechselspiel Buddhismus Psychotherapie&#8220; , Windpferd Verlag, Aitrang (Bayern), 2011<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(29) Ludwig Wittgenstein, <em>&#8222;<\/em><em class=\"tit12\">Tractatus logico-philosophicus&#8220;<\/em>, Werkausgabe, Bd 1, Suhrkamp, Frankfurt a.M.<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(30) Hannah Arendt, aus der &#8222;Vita activa oder Vom t\u00e4tigen Leben&#8220;, S. 273, M\u00fcnchen, Piper, 1981 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(31) Laotse, &#8222;Tao-Te-King&#8220;, Kapitel 37, Vers 85, &#8222;Der Weg ist ewig ohne Tun; \/Aber nichts, das ungetan bliebe.&#8220;, Reclam, Stuttgart, 1979<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\">(32) Michel Foucault, zitiert aus dem Gespr\u00e4ch mit Marion Bourbon, &#8222;Die Suche nach unserem Innersten bringt keineswegs Ruhe&#8220;, Philosophie Magazin, Sonderausgabe 18, &#8222;Die Stoiker&#8220;, Berlin 2021 <\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-size: small; color: #000000;\"><strong>(Oktober 2021)<\/strong><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>IM TANZ DER WILDEN ZEICHEN BESTEHEN Essay von J\u00fcrgen Tobegen &nbsp; &#8222;Die wilde Semiose&#8220;, der wilde Zeichenprozess, schreibt die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann, &#8222;bringt die Grundpfeiler der etablierten Zeichenordnung zum Einsturz, indem sie auf die Materialit\u00e4t des Zeichens ausgerichtet ist und die Pr\u00e4senz der durch die Zeichen auf Distanz gehaltenen Welt wiederherstellt. 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