{"id":52702,"date":"2026-07-06T10:52:22","date_gmt":"2026-07-06T10:52:22","guid":{"rendered":"https:\/\/tobegen.de\/?page_id=52702"},"modified":"2026-07-06T10:52:22","modified_gmt":"2026-07-06T10:52:22","slug":"reportage-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/tobegen.de\/?page_id=52702","title":{"rendered":"Reportage"},"content":{"rendered":"<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 class=\"western\" style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: xx-large;\"><em>KONKRET IST ZUWENIG <\/em><\/span><\/h1>\n<hr \/>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Segoe UI Light, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><em><span style=\"color: #000000;\">Konzentriert steht J\u00fcrgen Tobegen vor drei Quadratmetern wei\u00dfer Leinwand. Gedankenleer wird er impulsiv und frei bildhafte Schriftzeichen malen, Kalligrafien, eine jahrtausende alte Kunst. Er wird allein seinen K\u00f6rper mit Gesten sprechen lassen und damit den &#8222;Moment&#8220; vor dem formulierten Gedanken darstellen. Ausreichend gegenst\u00e4ndlich, um alles zu sagen, denn konkreter w\u00e4re zu wenig. Und weniger will er nicht.<\/span><\/em><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Segoe UI Light, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Schon w\u00e4hrend seiner Jugend in Neum\u00fcnster, einer kleinen Stadt im Norden Deutschlands, wollte er ausdr\u00fccken, was er f\u00fchlte. Aber das geschriebene Wort war sein Feind. Nicht nur, weil er als Legastheniker eingeordnet wurde, sondern auch, weil ein Wort nur einen Teil seiner Empfindung wiedergab und damit zu unpoetisch war. Er erfand W\u00f6rter, die unbegrenzter waren.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\">\u201e<span style=\"font-family: Segoe UI Light, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Strarara\u00dfenkreuzer\u201c bedeutete f\u00fcr ihn \u201egro\u00dfes Auto\u201c. Seine Lehrer mochten das nicht. Wie auch sein Vater, &#8222;ein Musiker&#8220;, dem verboten war, einer zu sein. Ein \u00fcberkorrekter Schriftsetzer, der pedantisch seinen Sohn st\u00e4ndig verbesserte, wenn er \u201efalsches Deutsch\u201c redete. Beim Schreiben umso mehr. Ein Vater, der seinem Sohn vorlebte, Verbote zu akzeptieren und zu resignieren. Anders als sein Kunstlehrer, der sein Talent erkannte, ihn unterst\u00fctzte, f\u00f6rderte, in Theatergruppen f\u00fchrte und ihn politisierte. \u201eMein Vater sagte, er habe mich auf den falschen Weg gebracht \u2013 und f\u00fcr mich war das genau das richtige.\u201c Sp\u00e4ter, w\u00e4hrend seiner Lehrzeit, traf sich J\u00fcrgen Tobegen regelm\u00e4\u00dfig in einem Partykeller mit Freunden und sie rauchten, tranken und h\u00f6rten laute Musik der 68er, seiner Zeit. Inspiriert durch dieses Gef\u00fchl von Sex&#8217;n&#8217;Drugs&#8217;n&#8217;Rock&#8217;n&#8217;Roll malten sie auf Druckerpapier mit Druckerfarbe, die einer von ihnen mitgebracht hatte. \u201eDie Befreiung begann mit der abstrakten Kunst. Es war wie ein Rausch, weil sie mir all&#8216; die Freiheit gab, die ich vorher nicht leben durfte.\u201c<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Segoe UI Light, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Im Marxismus fand J\u00fcrgen dann eine philosophische Beschreibung seines Gef\u00fchls der Selbstentfremdung. Eine globale Antwort auf eine pers\u00f6nliche Frage. Sein individueller Protest wurde ein gesellschaftlicher und er trat mit 18 Jahren in die KPD\/ML ein. Sechs Jahren sp\u00e4ter wurde er zudem Vorsitzender der parteiinternen Jugendorganisation KJD. Er arbeitete hier und blieb dabei, bis sich die Welt Ende der 1980er Jahre politisch verr\u00fcckte und er den Blick abwandte.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Segoe UI Light, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Streng atheistisch erzogen von seinem bibelfestem Vater, suchte er weiter und fand sich in die \u00f6stliche Spiritualit\u00e4t hinein; uneins mit Marx, f\u00fcr den die Befreiung nur gesellschaftlich zu erk\u00e4mpfen sei. F\u00fcr J\u00fcrgen Tobegen ist sie individuell. Mit Mitte 30 zog er nach Berlin und fand zur\u00fcck zur Kunst. Nun aber war ihm \u201ewildes Drauflos-Malen\u201c zu wenig, denn er erkannte, dass er das Abstrakte zu begrenzt und damit langweilig fand. Er entdeckte die Kalligrafie, sein Weg aus dem \u201eVor-bewussten\u201c zu malen, seelische Inhalte, auf die das Bewusstsein nicht sofort zugreifen kann. Den Moment, in dem alle Gedanken gleichzeitig da und Gef\u00fchle noch nicht eingeordnet wurden. Sein Ziel? Im Unpr\u00e4zisen noch eindeutiger werden.\u201c<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<h3 class=\"western\" align=\"CENTER\"><span style=\"color: #808080;\"><span style=\"font-family: Segoe UI Semibold, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Atelierbesuch der freien Journalistin <\/span><\/span><\/span><strong><a href=\"https:\/\/www.berlinstory.de\/blog\/freitag-25-april-2008-3\/\"><span style=\"color: #808080;\"><span style=\"font-family: Segoe UI Semibold, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\">Christina Praus<\/span><\/span><\/span><\/a><\/strong><span style=\"color: #808080;\"><span style=\"font-family: Segoe UI Semibold, sans-serif;\"><span style=\"font-size: large;\"> f\u00fcr die Zeitung &#8222;Kiez und Kneipe&#8220; &#8211; August 2015<\/span><\/span><\/span><\/h3>\n<pre class=\"western\"><span style=\"font-family: Verdana,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-15937\" src=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/eins-001.jpg\" width=\"150\" height=\"98\" srcset=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/eins-001.jpg 1000w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/eins-001-300x197.jpg 300w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/eins-001-624x409.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/>(Oniline-Ausgabe <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><a style=\"color: #000000;\" href=\"http:\/\/archiv.kiezundkneipe.de\/2015\/2015-08.pdf\"><strong><span style=\"font-family: Verdana,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">www.kiezundkneipe.de<\/span><\/span><\/strong><\/a><\/span><span style=\"font-family: Verdana,sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\">)<\/span><\/span>\r\n<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; KONKRET IST ZUWENIG Konzentriert steht J\u00fcrgen Tobegen vor drei Quadratmetern wei\u00dfer Leinwand. 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