{"id":44162,"date":"2023-09-16T08:26:37","date_gmt":"2023-09-16T08:26:37","guid":{"rendered":"https:\/\/tobegen.de\/?p=44162"},"modified":"2024-09-21T14:53:05","modified_gmt":"2024-09-21T14:53:05","slug":"postname-kunstbegriffautopoiese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tobegen.de\/?p=44162","title":{"rendered":"KUNSTBEGRIFF AUTOPOIESE"},"content":{"rendered":"<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-45009 size-full\" src=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/Das-Bild-4.jpg\" alt=\"\" width=\"1325\" height=\"407\" srcset=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/Das-Bild-4.jpg 1325w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/Das-Bild-4-300x92.jpg 300w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/Das-Bild-4-1313x403.jpg 1313w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/Das-Bild-4-768x236.jpg 768w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/Das-Bild-4-500x154.jpg 500w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/Das-Bild-4-800x246.jpg 800w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/Das-Bild-4-1280x393.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1325px) 100vw, 1325px\" \/><\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: medium;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-45551\" src=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-2-16.jpg\" alt=\"\" width=\"1920\" height=\"1118\" srcset=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-2-16.jpg 1920w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-2-16-300x175.jpg 300w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-2-16-1313x765.jpg 1313w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-2-16-768x447.jpg 768w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-2-16-1536x894.jpg 1536w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-2-16-500x291.jpg 500w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-2-16-800x466.jpg 800w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/003-2-16-1280x745.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><br \/>\n<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<hr \/>\n<p align=\"CENTER\"><strong><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Segoe UI Light, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><i>Erz\u00e4hlt wird die Geschichte von einem Jungen der nicht glauben konnte, dass im Anfang das Wort ist und so schon als Kind dachte \u201eAlles ist umgekehrt!\u201c<\/i><\/span><\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Die Selbstentfaltung des Lebens in Autopoiese <\/strong>ist schnell verstanden. Das Leben ist ein Fluss, in gegenseitiger Abh\u00e4ngigkeit ewig werden und vergehen, ein Fluss, in den wir nicht zweimal steigen k\u00f6nnen, er ist immer ein anderer. So hat es Heraklit von Ephesos 500 v. Chr. beschrieben und diese seine Logik als \u201eLogos\u201c bezeichnet. Der Logos versteht spontan im allt\u00e4glichen die Autopoiesis. Doch das spontane Erleben entzieht sich dem Begriff. Denn das sinnliche Begreifen erfolgt nonverbal, ist vegetativ. So schweigt im Begreifen das Wort. Mit einem Quantensprung vom Begreifen zum Begriff nimmt es aus dem Stand den Fluss des Sinnlichen aus dem Spiel. So kommen wir zur Erkenntnis und verwandeln mit ihr die sinnliche Realit\u00e4t in eine sprachlich gefasste kognitive Wirklichkeit. Die ihre Bewusstseinsinhalte mit dem Willen zur Macht des Wissens in ein Konzept der zweiten Natur verkehrt. Geistig verl\u00e4sst die Welt des Wissens dabei den Fluss und betrachtet vom Ufer aus, wie der Fluss sich untertan f\u00fcgt, nicht mehr f\u00fcgt. Weil die spontane Realit\u00e4t hier und jetzt als Chaos der gebildeten Wirklichkeit ihr Konzept streitig macht. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>So vollzog sich der Sprung von der Weisheit zur Wissenschaft<\/strong>, der aus dem Stand einen gewaltigen Fortschritt der Menschheit bis in die virtuelle Welt der Technik ist, indem wir die spontane Natur untertan machen. Getragen vom Traum durch Reflexionen ist der Mehrwert vollendeter als die spontane Autopoiese des Lebendigen. Doch heute d\u00e4mmert uns, die Natur schaut nicht tatenlos zu. Wir haben die Ufer bebaut, Fl\u00fcsse begradigt, Meere verschmutzt, das Klima massiv ver\u00e4ndert und zahlen daf\u00fcr jetzt den Preis. Das Streben nach Mehrwert und Profit f\u00e4llt uns auf die eigenen F\u00fc\u00dfe und das ist gut so. Wie ich das pers\u00f6nlich erlebte und was f\u00fcr Schl\u00fcsse ich daraus ziehe, erz\u00e4hlt dieser Text. <\/span><\/p>\n<hr \/>\n<blockquote><p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Die Poesie zwingt sich nicht auf, sie setzt sich aus.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Die Kunst erweitern? Nein. Sondern geh mit der Kunst in deine allereigenste Enge. Und setze dich frei.&#8220;<\/strong><\/span><\/p>\n<p>(Paul Celan)<\/p>\n<hr \/>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"color: medium;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Als Kind war <\/strong><strong>mein Schicksal<\/strong> die Legasthenie. Warum es eine Schw\u00e4che beim Lesen und in der Rechtschreibung gibt, wei\u00df ich nicht? Ich hatte bei der Geburt auch Klumpf\u00fc\u00dfe, aus denen Knick-, Senk-, Spreizf\u00fc\u00dfe wurden und wei\u00df nicht warum. So habe ich nur drei B\u00fccher in meiner Kindheit gelesen, von Astrid Lindgren, den \u201eKalle Blomquist\u201c. Und meine Schw\u00e4che in der Rechtschreibung war \u00e4u\u00dferst kreativ. Sie wurde nicht als solche erkannt. Denn ich brachte streng entlang meiner Gef\u00fchle und Wahrnehmungen eine eigene Grammatik hervor. Sie war keine allgemeine, so hat es keine Schule interessiert. So ist mein erster mir aus der Kindheit bewusst gebliebener Gedanke \u201eAlles ist umgekehrt\u201c. Ich hatte den Verdacht, das Wort sagt nicht die Wahrheit und sp\u00fcrte ihm als Meisterdetektiv nach. Meine Recherchen als Kind ergaben: Das Wort ist ein &#8222;Stra-ra-ra\u00dfenkreuzer&#8220;. Ein Symbol. Es steht stellvertretend f\u00fcr etwas anderes. So sagt es immer nur ein Teil der Wahrheit. Und wenn es behauptet, im Anfang war das Wort, dann l\u00fcgt es. Vor ihm war das Bild. Dabei folgte mein Wahrheitsbegriff, wie ich sp\u00e4ter erfuhr, intuitiv der Korrespondenztheorie, die besagt wahr ist, wenn die gedankliche Vorstellung sich mit der Wirklichkeit deckt. So ist das Bild die Wirklichkeit, an dem die Wahrheit sich orientiert. Dabei dachte ich nicht an das reproduzierte Bild. Wir hatten erst sehr sp\u00e4t einen Fernseher, gingen nicht ins Kino und Fotos tauchten nur schwarz-wei\u00df in meiner Erinnerung auf. Ich ging von der menschlichen Natur vor meinen Augen aus.\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: medium;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>So war ich<\/strong> <strong>selbstverliebt<\/strong> in eine Ahnung und habe mich mit meinem Bild dem Wort verweigert. Lieber habe ich mit H\u00e4nden und F\u00fcssen gesprochen, mich in Worten \u00fcberschlagen, als es in grammatisch korrekten S\u00e4tzen zu tun. Die Disziplinierung meiner Ahnung f\u00fcr das geschriebene Wort, um mit ihm etwas ins Fenster zu stellen, was man weder ist noch auf Lager hat, das ging f\u00fcr mich zu weit. Da steht mir das Gewissen, meine Ehrlichkeit im Weg. Doch gleichzeitig durfte der Konflikt zwischen mir und der Wirklichkeit auch nicht auffallen. Denn es gibt f\u00fcr ein Kind nichts Sch\u00f6neres und zugleich nichts Grausameres als die Einsamkeit. Einerseits ist sie die Freiheit, der Schutzraum vor der Welt der Erwachsenen und andererseits die Falle, durch die es nicht gelingt, in der Welt der Erwachsenen anzukommen. So sch\u00e4mte ich mich daf\u00fcr, dass ich das Bild ohne Autor kenne, nicht ich es mir es mich ausgesucht hatte. So war ich doppelt angepasst, ein Sch\u00fcler voller Minderwertigkeitskomplexe. Bis in die Pubert\u00e4t. Da kam der Fr\u00fchling zu mir.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><strong style=\"font-size: medium; color: #000000;\">Noch an der<\/strong><span style=\"font-size: medium; color: #000000;\"><strong> Hauptschule<\/strong> entdeckte mein Kunstlehrer, der Name ist \u00fcbertrieben, unser Schulfach hie\u00df schlicht \u201eMalen\u201c, dass ich ein Gef\u00fchl f\u00fcr Farben habe und ermunterte mich in meiner Kreativit\u00e4t. So bekam ich in der Theater-AG die Hauptrolle und weil er mich und ich ihn gut verstand, ebnete er mir auch den Weg in das Statt-Theater Neum\u00fcnster, das mit seinem lokalen Kabarettprogramm gerade Furore machte. Das war die Zeit, in der in der BRD die antiautorit\u00e4re Bewegung von den Gro\u00dfst\u00e4dten aus auch die Provinz erreichte. Rudi Dutschke hatte zum Marsch durch die Institutionen aufgerufen und so erreichte mich in der Naturfreundejugend, zu der das Statt-Theater z\u00e4hlte der ML-Virus. In Eigeninitiative begann ich nun Marx, Lenin und Mao zu lesen und verstand: Ich bin ein entfremdeter Arbeiter. Zum ersten mal sagte f\u00fcr mich das Wort die Wahrheit. Damit war meine Einsamkeit nicht mehr pers\u00f6nlich, bekam sie mit dem Klassenkampf eine konkrete Utopie. In der Solidarit\u00e4t der Arbeiterklasse existiert die Klasse nur noch f\u00fcr sich, ist sie, so die reine Lehre des Marxismus an sich bereits \u00fcberwunden. So bekam ich meinen Platz in der Welt der Erwachsenen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: medium;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Zun\u00e4chst noch in<\/strong> <strong>der antiautorit\u00e4ren Bewegung<\/strong> mit Sex and Drugs and Rock\u00b4n\u00b4Roll. Mit wilder Malerei, Gedichten und Theaterspiel. Doch dann, als ich erkannte, hier setzt sich nur der St\u00e4rkere durch, der ich nicht war, da wusste ich, ich muss mich organisieren. In einer Arbeiterpartei. So lie\u00df ich den antiautorit\u00e4ren Protest hinter mir und wurde Mitglied einer Kaderpartei, schlie\u00dflich im leninschen Sinne zum \u201eBerufsrevolution\u00e4r\u201c. Mit b\u00fcrgerlichem Namen ein hauptamtlicher Parteifunktion\u00e4r. Das war ich 11 Jahre lang, Mitglied 16 Jahre, bis in mir die \u00dcberzeugung zusammenbrach, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Durch das Aufkommen der Frauen-, Anti-Atom-, \u00d6kologie- und Friedensbewegung, sp\u00e4ter dem Parteibildungsprozess der Gr\u00fcnen, entstanden f\u00fcr mich zu viele Widerspr\u00fcche, die sich mit der schlichten Antwort der Verstaatlichung des Privateigentums nicht mehr l\u00f6sen lie\u00dfen. Zudem versank die ML-Bewegung in der Bedeutungslosigkeit.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Hinzu kam die<\/strong> <strong>private Trennung<\/strong> von einer gro\u00dfen Liebe. F\u00fcr sie gilt schon hier und jetzt, was der Marxismus sich f\u00fcr den Kommunismus aufgespart hat. Allein in der gelebten Solidarit\u00e4t ist der Widerspruch zwischen Mensch und Wirklichkeit aufgehoben. Alleine ist das unm\u00f6glich und nennst du nur eine Seele dein auf diesem Erdenrund sind gleich Millionen umschlungen. Wie Schiller es in seiner &#8222;Ode an die Freude&#8220; dichtet. Doch warum? Weil gelebte Solidarit\u00e4t weder eine Idee noch ein Mensch ist. Sie ist die \u00dcberwindung des abstrakten Denkens durch das Mitgef\u00fchl, das die Lebenden mit dem Leben vernetzt und verbindet, indem das Leben nur in der Mehrzahl existiert, so keinem geh\u00f6rt. Sodass weder das Privateigentum noch die Verstaatlichung das Problem l\u00f6sen, allein die \u00dcberwindung des Mehrwerts, mit dem der Mensch glaubt im Besitz der Wahrheit zu sein.<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0So qu\u00e4lten mich Ausstiegsgedanken zwei Jahre lang, die ich weder \u00e4u\u00dfern noch umsetzen konnte, weil sie mein Gel\u00f6bnis, lebensl\u00e4nglich Kommunist zu sein brachen. So schleppte ich mich ins Parteib\u00fcro, bis mein K\u00f6rper eine andere Entscheidung traf. In der Politb\u00fcro-Sitzung \u00fcber den 70. Jahrestag der Oktoberrevolution brach ich mit einem Burnout zusammen. Seinerzeit gab es den Begriff noch nicht. F\u00fcr mich brach f\u00fcr einen kurzen Moment mein Kreislauf zusammen. Mir wurde schwarz vor Augen und ich rutschte vom Stuhl unter den Tisch. Dort angekommen hat man mich auf eine Trage gelegt und ich sah, wie in einem Film mein politisches Leben vor mir vor\u00fcberziehen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-45547\" src=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/001-3-2.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"213\" srcset=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/001-3-2.jpg 1920w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/001-3-2-300x128.jpg 300w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/001-3-2-1313x559.jpg 1313w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/001-3-2-768x327.jpg 768w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/001-3-2-1536x654.jpg 1536w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/001-3-2-500x213.jpg 500w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/001-3-2-800x340.jpg 800w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/001-3-2-1280x545.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Wieder sprach <\/strong><strong>das<\/strong> <strong>Bild ohne Autor<\/strong> zu mir, nun als Wille ohne Macht. Zu der Zeit lebte ich in einer WG und die Genossen brachten mich, der noch etwas benommen, doch wieder aufrecht und alleine gehen konnte, dorthin. In den Armen einer Mitbewohnerin weinte ich mich erst einmal aus. Nach \u00fcber 12 Stunden Schlaf wachte ich auf und die Mauer, die mein Gel\u00f6bnis in mir hochgezogen hatte, war weg. Ich war frei und konnte nun aus meinem Leben machen, was ich wollte. Die gr\u00fcndliche Ausbildung als Kader einer kommunistischen Partei gab mir das Gef\u00fchl, das ich nun der Sozialisation gewachsen bin, sodass sich mein eigentliches Ich, von dem ich noch nicht wusste, dass es reine Lebensfreude ist, sich durchsetzen konnte. <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ein halbes Jahr sp\u00e4ter, ich war nun nicht mehr Parteifunktion\u00e4r und nicht mehr Mitglied der Partei, ich befand mich in meinem Sabbatjahr in einem Sprachkurs in der T\u00fcrkei, da fragte mich ein Grafikstudent aus Istanbul, ob ich Lust h\u00e4tte zu zeichnen. Drei Teilnehmer kamen zusammen und wir bekamen zun\u00e4chst die Aufgabe, ein Stillleben aus Flaschen und Gl\u00e4ser abzubilden. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>In mir wurde<\/strong> <strong>augenblicklich die Trotzbacke<\/strong> <strong>mobil<\/strong> und ich zeichnete unsere Dolmetscherin, in die ich mich verguckt hatte. Spontan mit freiem Strich entstand mein erstes Portr\u00e4t. Alle waren begeistert und so konnte ich mich \u00fcber Modelle nicht beklagen. Zur\u00fcck in Deutschland war der freie Strich wie weggeflogen. Jetzt verlangte das \u201eMan\u201c, die Anpassung des Denkens an das Dispositiv des Normalen, an eine unausgesprochene Objektivit\u00e4t des Allgemeinen, von mir zu pr\u00fcfen, ob mein Tun auch ihm gerecht wird. Von jetzt auf gleich kehrte meine Ohnmacht zur\u00fcck und ich war wieder der Versager, mit dem ich zu Beginn meines Lebens konfrontiert war. Wieder war es die Scham, die mich zur Anpassung zwang. In unendlich vielen Stunden versuchte ich anhand von Lehrb\u00fcchern richtig zeichnen zu lernen und es kamen nur tote Bilder dabei heraus. W\u00fctend \u00fcber mich selbst attackierte ich sie mit wilden Strichen. Und siehe da, sie begannen zu leben. Wieder sprach das Bild ohne Autor zu mir und ich verstand seine Botschaft: \u201eDie Hand ist kl\u00fcger als der Verstand.\u201c \u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: medium; color: #000000;\"><strong><em>&#8222;Der Irrtum ist der Wesensraum der Geschichte.&#8220; <\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: medium; color: #000000;\"><strong><em>&#8222;Die Geschichte des Seins beginnt mit der Seinsvergessenheit, damit da\u00df das Sein mit seinem Wesen, mit dem Unterschied zum Seienden, an sich h\u00e4lt.&#8220; <\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"font-size: medium; color: #000000;\"><strong><em>&#8222;Am R\u00e4tsel des Seins mu\u00df das Denken dichten.&#8220; <\/em><\/strong><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">(Martin Heidegger)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<hr \/>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Mit dem spontanen Strich hatte ich nun den Ariadnefaden gefunden<\/strong>, um das Labyrinth der Seinsvergessenheit zu durch schreiten. Denn im Anfang unseres menschlichen Seins ist weder das Wort noch das Bild. Im Anfang ist die Seinsvergessenheit des Seienden. Aus ihr kommen wir, in sie gehen wir und sind wir als Autor oder Verfasser unseres Irrens zu Hause, solange wir danach streben unsere Seinsvergessenheit durch Glauben an ein Jenseits oder Wissen im Diesseits zu schlie\u00dfen. Sodass wir nur in den Momenten, in denen wir unsere Komfortzone verlassen, im <em>&#8222;Lebenleben&#8220;<\/em> (Sloterdijk) beheimatet sind und dessen Autopoiese, der <em>\u201eGnade des im Offenwerden Gehaltenseins&#8220;<\/em> (Picasso), folgen. Diese spontanen absichtslosen Momente des Mitgef\u00fchls, der Liebe, der Solidarit\u00e4t, das Geborgensein im Flow der Selbstherstellung sind gar nicht so selten im Leben. Allein wir ignorieren sie, indem wir nach Macht \u00fcber sie streben. Die Alten, indem sie zu Gott in dessen Paradies strebten. Wir Modernen, indem wir sie durch Besitz und Eigentum als Paradies auf Erden errichten wollen. So ersetzen wir die reine Lebensfreude, deren Kraft ein Wille ohne Macht ist, denn was geboren ist, muss sterben, durch den <em>\u201eWillen zur Macht\u201c<\/em> dessen Gott glaubt, unsterblich zu sein. So ist die <em>&#8222;Kehre&#8220;<\/em> vom modernen <em>&#8222;sozialen Ich&#8220;<\/em>, dem Willen sich die Natur untertan zu machen, zum <em>&#8222;eigentlichen Ich&#8220;<\/em> sich als Teil der Natur zu erfreuen (alles Heidegger) das <em>&#8222;Stirb und werde!&#8220;<\/em>, aus Goethes Gedicht <em>&#8222;Selige Sehnsucht&#8220;.<\/em> \u00a0 \u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-45702\" src=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/013-4-2.jpg\" alt=\"\" width=\"392\" height=\"361\" srcset=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/013-4-2.jpg 1920w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/013-4-2-300x276.jpg 300w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/013-4-2-1313x1210.jpg 1313w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/013-4-2-768x708.jpg 768w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/013-4-2-1536x1415.jpg 1536w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/013-4-2-500x461.jpg 500w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/013-4-2-800x737.jpg 800w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/013-4-2-1280x1179.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 392px) 100vw, 392px\" \/><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>So verstand ich Laotses <em>&#8222;Tun ohne Tun&#8220;<\/em><\/strong>, indem ich es mir mit dem spontanen Strich vor Augen f\u00fchrte. So entdeckte ich mit Rilke den <em>&#8222;Weltinnenraum&#8220;<\/em> der Ahnung oder Intuition und verstand intuitiv Sokrates <em>&#8222;Ich wei\u00df, dass ich nichts wei\u00df.&#8220;<\/em> Dass das Nicht-Wissen nicht Unwissen, das Wissen der Seinsvergessenheit ist. Als ich dann auch noch Rilkes <em>&#8222;Archaischer Torso Appollos&#8220;<\/em> in der Interpretation von Peter Sloterdijk las, als <em>&#8222;Du mu\u00dft dein Leben \u00e4ndern&#8220;<\/em> und den Quantensprung vom Wissen zum Nicht-Wissen vollziehen, da dachte ich, ich muss sterben. Wie oft hatte ich mein Leben schon ver\u00e4ndert? Und nun auch noch der Sprung ins Nichts, in die Angst vor der Leere? Da d\u00e4mmerte in mir meine Erfahrung mit dem Burn-out. Nicht die Ratio die Lebendigkeit ist der Weg. <em>&#8222;K\u00f6nnten wir weisen den Weg, es w\u00e4re kein ewiger Weg&#8220;<\/em> (Laotse). So wurde aus dem Fluch der <em>&#8222;Seinsvergessenheit des Seienden&#8220;<\/em> (Heidegger) der Segen des Nicht-Wissens. So verstand ich, dass die Albtr\u00e4ume, die vierzehn Jahre lang mein Leben begleiteten, meine Verlorenheit im atheistischen Denken waren, das mit dem irrationalen Gott nicht nur das Symbol, das Irrationale des Lebens gleich mit ignoriert. Sodass dem rational Aufgekl\u00e4rten nur noch das <em>\u201eMan\u201c<\/em> das moderne soziale Ich bleibt. Endlich lie\u00df ich meinen rationalen Verstand los, der glaubt, die reine Vernunft unseres Seins ohne Zweck und Ziel durch die praktische Vernunft aus Zweck und Leistung \u00fcberwunden zu haben. So waren meine Albtr\u00e4ume reine Vernunft, die mich lehrte, dass ich vom ersten bis zum letzten Tag in einem geistigen Raum lebe, der anders ist, als er der rationalen Vernunft im Blick von au\u00dfen erscheint. Nichts von meiner Natur, die der Funktion\u00e4r in mir erfolgreich zum Schweigen gebracht hatte, war eingeb\u00fc\u00dft oder verloren. Ob Blume, Baum, Tier oder Mensch, wir alle sind Bilder ohne Autor, solange wie wir uns kein Bild von uns machen. Machen wir das, wird aus dem Dasein ohne Autor eine Identit\u00e4t, die uns vom Leben entfremdet. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Ausgehend von der Energie als Kraft und Trieb<\/strong>, ja Wille ohne Zweck und Ziel, ist das Urbild des Seins divers. Es sei denn, wir unterstellen der Energie einen Autor. Den sie nicht hat, sie ist im Fluss stetiger Wandel. Ein Feld aus Raum, Atmosph\u00e4re, Leere, Kraft, Atem, Wille, Trieb, Geist, Ursache, Wirkung, Zufall, Chaos, das in sich eine Folgerichtigkeit hat. Sie ist, was nicht verloren geht, was sich stets verwandelt, es sei denn, die Sonne erlischt und um sie herum wird alles dunkel und kalt. Dann gibt es das Sonnensystem nicht mehr. So ist das Bild von Himmel und Erde materiell, visuell, geistig spirituell Kraft und Anker der K\u00f6rpersprache. Die mit Mimik und Gestik an den Ort gebunden in oraler Tradition verlautbar Wort wird, sodass aus dem k\u00f6rperlich gebundenen Sein eine Erscheinung wird, die sich als Welt verselbstst\u00e4ndigt. So leben wir in einer Natur ohne Autor und einer Welt, die durch Name, Form und Zahl einen Autor hat. Hier hei\u00dft zur Welt kommen nicht in ihr leibhaftig da sein, hier hei\u00dft zur Welt kommen in der Zweitsprache zu parieren. Neben der nonverbalen Muttersprache der Intuition die verbale Kognition der Vatersprache zu beherrschen.<\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<blockquote><p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Alles ist eine Frage der Sprache und nicht nur der deutschen Sprache. (&#8230;) Darunter schwelt noch eine Sprache, die reicht bis in die Gesten und Blicke, das Abwickeln der Gedanken und den Gang der Gef\u00fchle.&#8220;<\/strong> (Ingeborg Bachmann).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>&#8222;Hieroglyphen kamen vor den Buchstaben, und Gleichnisrede kam vor dem Argument. Dennoch behalten sie auch heute noch und zu aller Zeit lebendige Kraft, weil die Vernunft nicht so sinnlich und Beispiele nicht so anschaulich sein k\u00f6nnen.&#8220;\u00a0<\/strong> (Francis Bacon)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>&#8222;Denn der Mensch der visuellen Kultur ersetzt mit seinen Geb\u00e4rden nicht Worte wie etwa die Taubstummen mit ihrer Zeichensprache. Er denkt keine Worte, deren Silben er wie Morsezeichen in die Luft schreibt. Seine Geb\u00e4rden bedeuten \u00fcberhaupt keine Begriffe, sondern unmittelbar sein irrationales Selbst, und was sich auf seinem Gesicht und in seinen Bewegungen ausdr\u00fcckt, kommt von einer Schicht der Seele, die Worte niemals ans Licht f\u00f6rdern k\u00f6nnen. Hier wird der Geist unmittelbar zum K\u00f6rper, wortelos, sichtbar.&#8220;<\/strong> (B\u00e9la Bal\u00e1zs)<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>&#8222;Der j\u00fcdische Monotheismus<\/strong> <span style=\"color: #000000;\"><strong>zerschlug<\/strong> dieses kosmotheistische Gewebe zugunsten neuer Manifestationsformen des einen Gottes in den Dimensionen von Schrift und Geschichte. Mit der Erschlie\u00dfung dieser neuen Dimensionen wurde die G\u00f6ttlichkeit des Kosmos (&#8222;Kosmotheismus&#8220;) negiert, was schlie\u00dflich zu einer Entzauberung der Welt und einer Vertreibung der G\u00f6tter ins Exil der Poesie f\u00fchrte. Die entg\u00f6tterte, vergleichg\u00fcltigte Sph\u00e4re der Natur konnte sodann der praktischen Vernunft und technischen Verf\u00fcgung \u00fcberlassen werden. Indem sich der monotheistische Gott in Schrift und Geschichte verk\u00f6rperte, zog er sich aus der Welt zur\u00fcck, die damit den Charakter einer lebendigen Botschaft verlor. An die Stelle der unmittelbaren Signifikation mit ihren kosmotheistischen Grundlagen trat, zusammen mit einer entg\u00f6tterten Welt, das System der mittelbaren Signifikation, das auf phonetische Schrift und die konstruktive Kraft menschlicher Zeichengebung gegr\u00fcndet ist.&#8220;<\/span><span style=\"color: #000000;\"> (Aleida Assmann &#8222;Im Dickicht der Zeichen&#8220;).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: medium;\"><strong>In dieser Tradition intelligibler Wirklichkeitskonzepte<\/strong>\u00a0fu\u00dft die rationale Aufkl\u00e4rung. Ihr verdanken wir den zivilisatorischen Fortschritt des Menschen in eine juristische, regelbasierte Verfassung des Lebens. Nicht nur die Menschenrechte, den technischen Fortschritt in die Logik der Zahlen bis in den Algorithmus der KI der Menschen bis auf den Mond gebracht hat. Doch nicht nur die Klimakatastrophe bereits der Faschismus sowie die Diktatur des Proletariats hat uns mit dem R\u00fcckschritt dessen, dem Verlust der ph\u00e4nomenalen Logik, dem Denken vom Lebendigen aus, konfrontiert. Denn der Mensch hat nicht nur durch die <em>&#8222;konstruktive Kraft menschlicher Zeichengebung&#8220;<\/em> seine Bindung an die Sprache der Natur verloren, er greift mit ihr sich selbst zerst\u00f6rend in sie ein. Das zwingt den Menschen zur Kehre. Zur Abkehr vom Glauben an den linearen Fortschritt. Wo Fortschritt ist, ist R\u00fcckschritt. Der Mensch kann seine Fragen nicht einseitig weder auf Fortschritt noch R\u00fcckschritt setzend l\u00f6sen. Er muss seine konstruktive Kraft falten und in allem vom Nichtwissen ausgehen. Nur dann steht der \u00dcbermensch der Kognition und der Mensch der Intuition, sich selbst nicht mehr im Weg. Mich \u00fcberzeugte Sokrates, als ich von ihm in Platons <em>&#8222;Phaidros&#8220;<\/em> las, wie er die Hieroglyphen gegen die konstruktive Kraft des abstrakten Zeichens verteidigt: <em>&#8222;Denn wer dies lernt, dem pflanzt es durch Vernachl\u00e4ssigung des Ged\u00e4chtnisses Vergesslichkeit in die Seele, weil er im Vertrauen auf die Schrift von au\u00dfen her durch fremde Zeichen, nicht von innen her aus sich selbst die Erinnerung sch\u00f6pft.&#8220; <\/em><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-45550\" src=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/002-5-1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"329\" srcset=\"https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/002-5-1.jpg 1920w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/002-5-1-300x198.jpg 300w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/002-5-1-1313x865.jpg 1313w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/002-5-1-768x506.jpg 768w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/002-5-1-1536x1012.jpg 1536w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/002-5-1-500x329.jpg 500w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/002-5-1-800x527.jpg 800w, https:\/\/tobegen.de\/wp-content\/uploads\/002-5-1-1280x843.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Der Maler ist<\/strong> <strong>privilegiert<\/strong>. Er sieht und kennt die Ur-Situation. Das leere Blatt, auf dem sich ein Bild mit dem <em>&#8222;Willen zur Macht&#8220;<\/em> (Nietzsche) oder im Spiel mit dem <em>&#8222;Willen ohne Zweck und Ziel&#8220;<\/em> (Schopenhauer) entfalten kann. Folgt er Nietzsche, folgt er dem Logos der praktischen Vernunft, folgt er Schopenhauer dem Logos der reinen Vernunft, der sich nicht in Worte fassen l\u00e4sst. So entsteht ein Bild ohne Autor. Das ohne Raum und Zeit die Fragen nach dem Ewigen stellt. Die \u00e4ltesten Fragen der Menschheit, die sich uns erst erschlie\u00dfen, wenn wir frei nach der Weisheit des Rumi verstehen, dass nicht wir die Weltverbesserung suchen, sondern die Weltverbesserung uns. So m\u00fcssen wir nichts neu erfinden, denn alles ist bereits vorhanden. Wir m\u00fcssen es neu ohne Wissen mit einer, wie der Dalai Lama sagt <em>&#8222;yogischen Wahrnehmung&#8220; <\/em>realisieren. Sodass wir die wirkliche Wirklichkeit erfahren, in der alles <em>&#8222;A (Existenz)<\/em>\u00a0<em>&#8211; Nicht A (Nicht-Existenz)<\/em><em> &#8211; A und Nicht-A (Sowohl als auch)<\/em><em> &#8211; Weder A noch nicht A <\/em>(weder Existenz noch Nicht-Existenz)<em>&#8220; <\/em>ist. Auf die Wirklichkeitskonzepte des modernen Denkens angewandt, nimmt das &#8222;Tetralemma&#8220;, so Nagarjuna, einer der sechs Nachfolger des Buddhas, den Schleier der Illusion von der Realit\u00e4t. Indem nicht mehr das Ich mit seinen Konzepten, die Autopoiese der Wirklichkeit uns denkt. In der chinesischen Tradition, die als einzige keinen Gott und damit keine absolute Wahrheit, kein Denken in substanziell fassbaren Entit\u00e4ten hervorgebracht hat, ist das das <em>&#8222;Tao&#8220;<\/em> von Laotse, im Buddhismus das <em>&#8222;Dharma&#8220;<\/em>. Beide beginnen mit dem ersten Schritt von der Kenntnis zur Erkenntnis vom Erleben zum Wissen, bleiben Weisheit und erliegen nicht der Macht der Konzepte, werden weder Wissenschaft noch Theologie. So sind ihnen Konstruktionen wie Sch\u00f6pfer und Sch\u00f6pfung, Ziel und Mehrwert fremd. In einer Welt gegenseitiger Abh\u00e4ngigkeit, in der nichts aus sich selbst heraus und nichts f\u00fcr sich selbst existiert, ist das gro\u00dfe Mitgef\u00fchl die absolute Freiheit.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Malt der Maler absichtslos<\/strong>, folgt er dem Mitgef\u00fchl und keiner vorab gedachten Idee. Sein Bild ist spontan. Real. Doch noch keine Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist die kognitive Erkenntnis der sinnlichen Realit\u00e4t. In ihr steht tats\u00e4chlich im Anfang das Wort, doch das Wort ist nicht der Anfang. Der Anfang ist namenlos. So muss das spontane Bild sich diesem Dilemma stellen und kann sich nur mit einem &#8222;Tetralemma&#8220; aus ihm l\u00f6sen. Indem es A und Nicht-A, sowohl A als auch Nicht-A und weder A noch Nicht-A, ein Bild ohne A(utor) ist, das spontan in Malprozess und Betrachtung entsteht. So wird aus der tautologischen Behauptung &#8222;Eine Geste ist eine Geste, ist eine Geste&#8220;, bei der das Informel stehen geblieben ist, der Weg in ein neues Sehen der Wirklichkeit, mit dem sich gerade auch die Quantenmechanik auseinandersetzt. Denn das Informel kann durchaus als eine vor \u00fcber hundert Jahren entstandene malerische Antwort auf die Relativit\u00e4tstheorie von Einstein und die Quantenmechanik von Heisenberg und Born verstanden werden. Diese zeigen mit ihren Messungen Berechnungen und Experimenten, dass die technische Realit\u00e4t die Wirklichkeitskonzepte der Metaphysik und der traditionellen Physik sprengt. So realisieren wir heute technisch eine Welt ohne feststehenden Raum und feststehende Zeit und k\u00f6nnen sie kognitiv noch nicht denken. Weil unser Wissen in rationalen Konzepten des Denkens verhaftet, nicht der spontanen Weisheit folgt. Sodass auch Technik sie nur vermessen nicht ermessen kann.\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Sodass die Befreiung des Denkens<\/strong> nicht mit der Befreiung von einem Sch\u00f6pfer und seiner Sch\u00f6pfung erledigt ist. Auch das Konzept der Menschheit und des Universalismus, das der Realit\u00e4t noch immer ein Ding an sich, eine absolute, nur dem Verstand zug\u00e4ngliche Entit\u00e4t unterstellt, muss \u00fcberwunden werden, damit wir der wirklichen Wirklichkeit begegnen, in der alles mit allem verbunden in gegenseitiger Abh\u00e4ngigkeit stirbt und wird, weil es in sich leer weder absolut noch ewig ist. Die Autopoiese als absolute Freiheit. Als Befreiung vom Autor sowohl als Symbol im Himmel wie auch im abstrakten Denken als Mensch auf Erden. In der Autopoiese des Lebens ist sowohl das Konzept des Glaubens wie der Aufkl\u00e4rung, die Dualit\u00e4t zwischen K\u00f6rper und Geist im Lebenleben \u00fcberwunden. So ist die Gegenwart tats\u00e4chlich ein Ende der Geschichte aus Vergangenheit und Zukunft, Raum und Zeit. Das Ende des <em>&#8222;Teile und herrsche&#8220;<\/em>. Und das ist gut so. Verheerend ist, dass der Wille zur Macht sowohl des Glaubens wie des Wissens sich gerade allerorts in politischen Turbulenzen und Kriegen Bahn bricht. Die Welt ist aus ihren Fugen geraten und wir verstehen noch nicht die Freiheit der Leere.\u00a0\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong>Macht das Informel den n\u00e4chsten Schritt<\/strong>, bleibt es nicht bei einer <em>&#8222;Kunst ist Kunst&#8220; stehen<\/em>, durchl\u00e4uft es einen Prozess zum Tetralemma. So zeigt sich im absichtslos Gemalten die Wirklichkeit, wie sie ist, das Eine &#8211; das Andere &#8211; Beides &#8211; keines von beiden &#8211; all das und das auch nicht. So wird aus dem Bem\u00fchen, nach dem Abbild des Wirklichen als Kopie ein Bild der wirklichen Wirklichkeit zu erschaffen, ein Weg ohne Ziel. Zur Zeit erleben wir auf ihm eine G\u00f6tterd\u00e4mmerung, in der der einst symbolische Gott als Entit\u00e4t im Himmel ein zweites Mal stirbt. Nun als Ursache, Wirkung und Kausalit\u00e4t, Raum und Zeit, mit denen er ein zweites Mal im abstrakt s\u00e4kularisierten Denken auferstanden ist, uns so als <em>\u201eDing an sich\u201c<\/em> (Kant) beherrscht. <\/span><\/span><\/p>\n<hr \/>\n<blockquote><p><strong><span style=\"font-size: medium; color: #000000;\"><em>Es geht darum, sich dem Zugriff jenes rationalen und mechanistischen Modells zu entziehen, das die Welt erobert hat. Es hat sich als Herr und Besitzer der Natur begriffen und dabei ein verkehrtes Menschenbild durchgesetzt, unter Festschreibung des Primats der Quantit\u00e4t gegen\u00fcber der Qualit\u00e4t, des Habens gegen\u00fcber dem Sein.&#8220;<\/em><\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em><strong>\u201eDie Grenzen sind immer geistige. Der erste Durchbruch besteht darin, sich klarzumachen, dass die Welt umfassendere M\u00f6glichkeiten bereith\u00e4lt als die Reelle ahnen l\u00e4sst, indem wir agieren.\u201c<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><em><strong>\u201eDie M\u00f6glichkeit, selbst zu denken, wird erst dann weiterf\u00fchren, wenn man sich von den ideologischen Systemen l\u00f6st, die f\u00fcr diese M\u00f6glichkeit grundlegend und strukturierend gewesen sind. Es geht darum, erfolgreich gegen die eigene intellektuelle Genealogie und ihre Erkenntnistradition anzudenken.\u201c<\/strong><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">(Felwine Sarr, &#8222;Afrotopia&#8220;)<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial Narrow, sans-serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><strong>Felwine Sarr<\/strong>, senegalesischer Philosoph, Schriftsteller, Wirtschaftswissenschaftler und Musiker, zeigt im <strong><em>\u201eAfrotopia\u201c<\/em><\/strong>, dass afrikanische Gesellschaften im Gegensatz zu westlichen Ge\u00fcbter darin sind, gegen die eigene Erkenntnistradition zu denken.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Erz\u00e4hlt wird die Geschichte von einem Jungen der nicht glauben konnte, dass im Anfang das Wort ist und so schon als Kind dachte \u201eAlles ist umgekehrt!\u201c &nbsp; Die Selbstentfaltung des Lebens in Autopoiese ist schnell verstanden. 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