Selbstlokalisation

„Man muß etwas finden, das sich selbst entwickelt, etwas Natürliches, nichts Hergestelltes, damit es sich entfaltet nach den Formen des Natürlichen und nicht nach den Formen der Kunst.“

(Picasso)

 

 

Der „Günstler“ Jürgen Tobegen

„Wir sind geboren, um frei zu sein“

(Ton, Steine, Scherben, Rio Reiser)


 

Die wissenschaftliche Betrachtung des Unbewussten hatte zwei gesellschaftliche Bewegungen zur Folge, den Sozialismus und den Surrealismus. Beide entdeckten ein kollektiv Unbewusstes, das befreit vom materiellen Besitz Gesellschaft verändert. Marx erkannte die Solidarität als Sein das frei von Eigentum Zukunft formt, und die Surrealisten, dass der Traum als immaterielle Erscheinung die Imagination vom materiellen Sein befreit. So ging es in beiden Fällen darum, Verstand, Willen und Geschmack aus der imaginären Kette des Privateigentums zu befreien und in ein kollektives Bewusstsein zu überführen. Den Fortgang der politischen Geschichte erspare ich mir, er ist als unsere jüngste Vergangenheit erlebt und dokumentiert.

Für mich wurde interessant, dass die Befreiung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit damit nicht gelang, weil der physikalische Blick der Aufklärung, wie der metaphysische der Religionen ein statischer Blick auf die Dualität von Ursache und Wirkung ist. Die Quantenphysik zeigt uns jedoch, dass wir uns die Wirklichkeit nach unseren Messdaten denken, sie aber unabhängig von uns und ihnen, dynamisch und nicht statisch, mit uns als Teil existiert. So ist es auch mit dem Bewusstsein, das als Nichtwissen oder Weisheit intersubjektiv existiert, sich uns objektiv bewusst als Wissen und unbewusst in Traum und Fantasie aufblättert.

Die Weisheiten Phanta rhei, Tao oder Dharma haben das schon vor Jahrtausenden gesehen, bevor die Religion (Gott als Wahrheit) und Aufklärung (Wissen ist Macht) sie in ein modellhaftes Verständnis von Welt überführt haben, mit dem alles unter einen Hut passen soll. Unter den Hut des Leviathan (der Staat als ein Mann) oder Behemoth (der Staat als Volksgemeinschaft). Dabei hat das große Bild weder Autor noch Form. Wir erleben es mittendrin, indem wir den eigenen Hut aufhaben und uns nicht als Partei verstehen, weil nur im liberalen Rat alle Menschen verschieden gleich sind.

Das gelingt nur, wenn wir dem Nichtwissen der Intuition folgen, das der wirklichen Wirklichkeit zugrunde liegt. So lehrt uns die Weisheit des Zen: Gehe zurück bis vor deine Geburt. In den reinen Geist des Tiefenbewussten, vom Nichtwissen aus hat der Geist den klarsten Blick. Oder mit den Worten des amerikanischen Schriftsteller und Philosophen Ralph Waldo Emerson: „Folge nicht der Richtung, die der Weg dir weist, sondern gehe dorthin, wo es keinen Weg gibt, lasse einen Pfad zurück.“

 

 


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