Vita


Die Hand weiß mehr als der Verstand

Schon als Kind wollte ich malen, was das Alphabet, die Architektur abstrakter Buchstaben verschweigt. Das Leibhaftige verschwindet in der Grammatik, im Ziel des Zweckhaften und wird von ihm widerlegt. Aus der körperlichen Sage wird eine Sage, aus ihr die Idee einer zweiten Natur, vollendeter als die erste.

So war die Welt als Kind für mich Entfremdung. Meine Wahrnehmung war zugleich meine Ohnmacht. Ich stolperte über meine eigenen Füße, hatte die Schulzeit hindurch Albträume, passte mich einerseits an, erlernte einen handwerklichen Beruf und radikalisierte unbewusst gleichzeitig mein Denken. Das Übel an der Wurzel packend, folgte ich der antiautoritären Revolte und schloss mich im Windschatten der 68er der aufständischen Lehrlingsbewegung an. Wenn der Staat uns nicht lässt, machen wir die Revolution. Der Logik folgend wurde ich hauptberuflich Funktionär der KPD/ML.

Als der Marxismus-Leninismus für mich, ich mit ihm zusammenbrach, da hatte ich persönlich keine Hoffnung, weder auf ein neues System noch auf eine neue Idee. Für mich war der Materialismus am System und der Idealismus an der Idee gescheitert. Doch statt der Hölle erlebte ich meinen „hiatus“, den Übergang zum existentiellen Denken als unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Ich fühlte mich glücklich und frei. Mein Körper war voller Kraft für einen Neuanfang, und ich wusste nicht, woher diese Kraft kam. Alles, was mein bisheriges Leben ausmachte, war zusammengebrochen, und ich war glücklich und frei.

So erinnerte ich mich an das Traum-Trauma meiner Kindheit, nahm den Pinsel zur Hand und sah in der spontanen Linie meiner Hand meinen Lebensraum vor dem Verstand. Dass mich dieses Erlebnis nicht nur ins Unbewusste, bis in das Tiefenbewusste führen wird, konnte ich nicht ahnen. Ich wusste nur, ich kenne den Ort.


Jürgen Tobegen

Geboren 1954 in Neumünster (Schleswig-Holstein, SH)

Hauptschüler/ Elektromechaniker/ Fabrikarbeiter/ Wehrpflichtiger (bis Mitte 1977 in SH)

Parteifunktionär (KPD/ML, KJD, VSP bis Ende 1987 in NRW, Dortmund und Köln)

1987 Zusammenbruch des kommunistischen Weges

1989 Umzug nach Berlin

1989 Seiteneinsteiger und Autodidakt in der Malerei

1990 Taxifahrer in Berlin

1990 – 1992 Versuche als Kopist (Portraits und Stillleben)

1993 – 2015 DIE SUCHE NACH DEM LYRISCHEN ICH: Zunächst als manieristische Auseinandersetzung mit der Abstraktion, dann Auseinandersetzung mit der „écriture automatique“ (automatisches Schreiben) der Surrealisten, mit dem „Malprozess“ im Informel (offenes Bild), mit dem „WuWei“ der Taoisten (absichtsloses Tun), mit dem „Weg des Pinsels“ im ZEN (Nicht-Geist-Nicht-Denken), sowie Paul Celan „Die Kunst erweitern? Nein. Geh mit der Kunst in deine allereigenste Enge. Und setze dich frei.“


Einzelausstellungen

2025 Oktober/November „BOA – Das BILD OHNE AUTOR“, Galerie Salon „Halit Art“, Berlin-Kreuzberg
2024 September „WAHRSCHEINLICHKEITSWOLKEN“ (Autopoiese), „Kapelle am Urban“, Berlin-Kreuzberg
2023 November „PERSPEKTIVWECHSEL ART BORN (Bild ohne Autor)“, Galerie Salon „Halit Art“, Berlin-Kreuzberg
2022 Oktober „KUNST DER SPUR (Geste, Borke, Flecken)“, Doppelausstellung: „Kapelle am Urban“ plus Galerie-Cafe „Dildile“, Berlin-Kreuzberg
2021 September/Oktober „IM DIALOG MIT DEM ZUFALL (Körperschrift Kalligrafie)“, Doppelausstellung: „Kapelle am Urban“ plus Galerie-Cafe „Dildile“, Berlin-Kreuzberg
2020 Februar – August „WELTMODERN (Die Entstehungsform)“: Galerie „Kirche auf dem Tempelhofer Feld“, Berlin-Tempelhof
2019 September/Oktober „von SELBST“ (Freie Assoziation), Doppelausstellung : „Kapelle am Urban“ plus Galerie-Cafe „Dildile“. Berlin-Kreuzberg
2018 September „TRANSIT (Sein und Erscheinung)“: Galerie Salon „Halit Art“, Berlin-Kreuzberg
2018 Januar/Februar, Doppelausstellung „BODYTEXT (Körperschrift)“: „Kapelle am Urban“ plus Galerie-Cafe „Dildile“, Berlin-Kreuzberg
2016 Februar/März „DAS SCHÖNE KRITZEL (Wilde Semiotik)“: Galerie-Cafe „GM 26“, Berlin-Steglitz
2014 September: OHNE TITEL, Galerie-Cafe „playing with eels“, Berlin-Kreuzberg
2013 Februar/März: OHNE TITEL, Galerie-Cafe „Dildile“, Berlin-Kreuzberg


Ausstellungsbeteiligungen

2026 Juni: ART-Kreuzberg, KUNSTSPRÜNGE II „Zusammen-Wirken“, Kiezraum Kreuzberg
2025 September: 15.ART-Kreuzberg, Kunst-Festival in der StadtWERKSTATT
2023 Dezember: Kunstweihnachtsbasar – Galerie Salon „Halit Art“
2022 Dezember: Kunstweihnachtsbasar – Galerie Salon „Halit Art“
2021 September: 12.ART-Kreuzberg, Atelier- und Galerie-Rundgang 
2020 Dezember: Kunstweihnachtsbasar – Galerie Salon „Halit Art“
2020 September: 11. ART-Kreuzberg, Galerie Salon „Halit Art“
2020 August: Kiezwoche im Galerie Salon „Halit Art“
2019 September: 10.ART-Kreuzberg, Atelier- und Galerie-Rundgang
2018 Dezember: Kunstweihnachtsbasar – Galerie Salon „Halit Art“
2018 September: 9.ART-Kreuzberg, Atelier- und Galerie-Rundgang
2017 September: 8.ART-Kreuzberg, Atelier- und Galerie-Rundgang
2016 September: 7.ART-Kreuzberg, Atelier- und Galerie-Rundgang
2015 September: 6.ART-Kreuzberg, Atelier- und Galerie-Rundgang
2014 September: 5.ART-Kreuzberg, Atelier- und Galerie-Rundgang
2013 April: MACHT KUNST, Kunsthalle der Deutschen Bank, Berlin-Mitte
2012 Dezember: Benefizausstellung der „elhana-Lernpaten“, Berlin-Kreuzberg
2012 September: 3.ART-Kreuzberg, Atelier- und Galerie-Rundgang


Dauerausstellungen

– Seit Januar 2023: „PURO – Raum für kunst-, tanz- und körperorientierte Therapien“, 10961 Berlin. Gneisenaustraße 53
– SeitMärz 2018: Physiotherapie- und Osteopathiepraxis „Körperkollektiv“, 10961 Berlin, Urbanstraße 171B, facebook/körperkollektiv